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Zurück zu neuen Ufern

Interview mit Ville von Poisonblack (13.09.2006)

Zurück zu neuen Ufern

POISONBLACK starteten als Nebenprojekt zu SENTENCED, was sich aber spätesens nach deren Abgesang erledigt hatte. So verwundert es nicht, das Ville sich nun auf dieses Produkt seiner Gedankenwelt konzentriert und uns mit einem neuen Album beglückt hat. Lagatta nahm den weiten Weg auf sich, um Ville persönlich mit ein paar Fragen zu löchern. Und sie ging direkt in die Vollen:

(Lagatta)

Das erste Poisonblack-Album wurde vor 3 Jahren veröffentlicht. Warum mussten die Fans so lange auf Lust Stained Despair warten?

Wir hatten das Album schon im Frühjahr 2004 fertig, aber es sind eine Menge Dinge passiert, unter anderem habe ich in den letzten Monaten viel zu viel getrunken. Ich war nicht wirklich in der richtigen Verfassung, um irgendwas zu tun.
Dazu kam das Sentenced-Split up und die Tour, was auch eine Menge Zeit in Anspruch nahm. Ich denke das sind die beiden Hauptgründe, warum wir es immer wieder verschoben haben. Es war auch für uns stressig, da wir nicht wussten, wann es rauskommt. Aber jetzt ist es soweit und wir sind alle ganz glücklich damit.

Früher wurde häufig betont, dass du dich in Poisonblack nur auf die Gitarre konzentrieren willst. Wie kam es zu deiner Entscheidung, auch den Gesang zu übernehmen?

Wir haben versucht einen neuen Sänger zu finden, nachdem JP aufgehört hat. Wir haben eine Menge Demotapes angehört. Es waren auch ein paar wirklich gute Sänger dabei, aber ihr Gesang ging mehr in die Gothic-Richtung und wir wussten bereits, dass das neue Album etwas härter und rockiger werden sollte. Daher passten diese Sänger nicht wirklich zu unserer Musik. Also haben wir zunächst ohne Gesang weitergeprobt und irgendwann habe ich angefangen, während den Proben zu singen, damit es uns nicht zu langweilig wurde. Es blieb dann dabei und die Band überredete mich, den Gesang ganz zu übernehmen.

Wirst du auch die alten Songs live singen?

Ja. Ich denke zwar, dass es sich etwas anders anhören wird, weil meine Stimme rauer ist als die von JP, aber der Unterschied wird nicht zu groß sein, es sind schließlich die gleichen Songs.

Seid ihr mit dem neuen Album zufrieden?

Ja, absolut. Es dauerte... ja... drei Jahre bis zur Veröffentlichung. Aber all das, was wir damit -musikalisch wie textlich - ausdrücken wollten, ist immer noch da. Ich denke, die ganze Band ist sehr zufrieden mit dem Album.

Hast du alle Songs geschrieben?

Alle, außer The Darkest Lie. Den hat unser Gitarrist Janne geschrieben.

Würdest du sagen, dass du der Boss in der Band bist?

Ich würde sagen, dass es 5 Personen in dieser Band gibt, die alle ihr Bestes geben für jeden einzelnen Song, aber ich bin eben der jenige, der in der Regel die Songs schreibt. Wir treffen natürlich alle Entscheidungen gemeinsam, es ist nicht so das ich sage, was die anderen tun sollen. Sie würden mir ziemlich in den Arsch treten, wenn ich das tun würde. (lacht)

Gibt es ein bestimmtes Konzept für das Album?

Es geht im Prinzip um die gleichen Dinge wie auf dem ersten Album, also zum Beispiel um bestimmte Gefühle, um Sex… Kein realer Sex, sondern darüber was im Kopf stattfindet. Aber das erste Album war eher ein wenig atmosphärisch und drückte weichere Gefühle aus als Lust Stained Despair. Hier geht es mehr um Wut und Enttäuschung. Aber der sexuelle Aspekt ist auf jeden Fall noch da.

Die Musik ist ja auch entsprechend härter.

Ja, denn die Emotionen in den Lyrics sind härter, also sollte die Musik auch ein bisschen rauer und schmutziger sein.

Gibt es einen Unterschied zwischen der Arbeit mit Sentenced und der Arbeit mit Poisonblack?

Die Gefühle, die ich mit der Musik von Sentenced verbinde, sind ganz anders, verglichen mit Poisonblack, denn die ganze Einstellung ist anders. Ich kann mir absolut nicht vorstellen, dass Sentenced einen Song wie Rush geschrieben hätten.
Was den Gesang betrifft tue ich eigentlich das gleiche wie bei Sentenced: Ich versuche die Texte zum Leben zu erwecken, wirklich zu verstehen, was ich singe, und das auch rüberzubringen.

Mir ist aufgefallen, dass die, für Sentenced typische Ironie, bei Poisonblack gar nicht auftaucht.

Ich denke, da gibt es auch nicht viel Ironie weil... (schweigt) Ich schreibe gerne aus egoistischen Gründen. Man kann über Dinge schreiben, die einem im Kopf herumschwirren oder die einen beschäftigen. Und als ich diese Texte schrieb hatte ich keinen Grund, über mich zu lachen. Es handelte sich eher um Selbsthass. In solchen Situationen schreibt man Texte die einem manchmal helfen, sich selbst besser zu verstehen, wenn man sie später liest. Ja, es ist wohl wirklich gar keine Ironie in den Texten.

Was hat sich sonst noch geändert, seit Poisonblack deine Hauptband ist?

Also... Ich trinke nicht mehr so viel. Das heißt, ich trinke immer noch, aber aus anderen Gründen. Wie normale Leute, also aus „richtigen“ Gründen, wenn es so etwas gibt.
Ich verbringe auch mehr Zeit mit meiner Familie und versuche, einige Dinge wieder zu richten. Wenn man zuviel trinkt neigt man dazu, alles kaputt zu machen, also versuche ich das alles wieder hinzubekommen.
Und noch etwas hat sich geändert: Heute kann ich mit einem Lächeln aufwachen, ohne das Gefühl ein Loser zu sein.

Du hast während dem Sentenced-Split up erwähnt, dass du nach diesem Album auch mit Poisonblack aufhören willst. Wird das jetzt passieren?

Das kann ich erst entscheiden wenn wir die Tour hinter uns haben. Wie gesagt, ich versuche gerade mein Leben wieder in die richtigen Bahnen zu lenken. Einer der Gründe, warum Sentenced aufgehört haben, waren die vielen Touren und die Eingeständnisse, die man dadurch an die Familie machen musste. Ich will auf jeden Fall eine Tour mit Poisonblack machen, aber die ganze Band ist da etwas skeptisch. Wir müssen einen Mittelweg finden damit es möglich ist, ein guter Vater zu sein und trotzdem Musik zu machen. Aber vor einem Jahr nahm es wirklich zu viel Zeit in Anspruch.

Also wird es eine Tour geben?

Ja, ich denke zum Jahresende ist etwas geplant, das steht allerdings alles noch nicht so wirklich fest. Aber sobald wir etwas wissen wird es auf der Website zu lesen sein.

Hast du noch irgendwelche „letzten Worte“ an die Leser?

Ich weiß, dass die Fans lange auf das neue Album gewartet haben, und wir haben Releasedates bekannt gegeben und wieder zurück genommen. Ich möchte mich einfach bei den Leuten für ihre Geduld bedanken und hoffe, dass es das Warten wert war.

Vielen Dank für das Interview!

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