Interviews
DEATH METAL WARMACHINE
Interview mit Thomas von Debauchery (07.05.2007)

DEBAUCHERYs 2005er Werk „Torture Pit“ wurde seinerzeit im Rock Hard als das „beste Death Metal-Album einer deutschen Band in diesem Jahr“ bezeichnet. Mit dem kürzlich erschienenen Nachfolger „Back In Blood“ geht die Band auf den bewährten Pfaden weiter und kann qualitativ sogar noch zulegen (ein ausführliches Review folgt in den nächsten Tagen). Klar ist, dass diejenigen, die mit Debauchery bisher ihren Spaß hatten den auch mit dem neuen Werk haben werden. Umgekehrt wird es sich genauso verhalten.
Sänger Thomas stand offen Rede und Antwort zu einigen Fragen bezüglich der ewigen Six Feet Under-Vergleiche, einem Vorfall auf dem Queens Of Metal, der Augenzeugen noch gut Erinnerung sein dürfte – und zu einem negativen Live-Review des Kollegen Ploppi, das er offenbar nicht so ganz nachvollziehen kann…
(MetalEschi)
Guten Tag, Thomas, vielen Dank, dass du dir für dieses Interview Zeit genommen hast.
Vor kurzem ist das neue Debauchery-Album „Back In Blood“ erschienen. Im Wesentlichen bietet Ihr den Fans genau das, was sie erwarten: Eingängigen, heftigen Death Metal mit ordentlich viel Brutalität und einem recht hohen Spaßfaktor (sofern man dieses brave Wort für Eure Hassklumpen verwenden darf). Musikalisch habt Ihr meiner Meinung nach noch eine ganz ordentliche Ladung drauf gelegt und qualitativ Eure bisher beste Scheibe abgeliefert. Wie ist deine Sicht der Dinge?
Na so ähnlich, ich finde das neue Album auch unser Bestes, wär’ doch auch schlimm wenn nicht. Mehr Hits als auf Torture Pit, mehr Groove, alles klingt abgerundeter, ich bin voll zufrieden.
Der Albumtitel ist laut MySpace von AC/DC’s legendärem „Back In Black“ beeinflusst, auch das blutrote, schlichte Coverartwork unterstreicht diese These. Ich nehme an, Ihr verwendet diese Vergleiche mit einem Augenzwinkern oder erhofft Ihr Euch von dem neuen Werk tatsächlich so etwas wie einen Meilenstein-Status im Underground?
Das war nur ein Wortspiel, angelehnt an AC/DC. Ich wollte die letzte CD schon so nennen, hab es aber gelassen, wegen SFU Graveyard Classics. Ich dachte dann heißt es gleich wieder, schau die machen nur SFU nach. Diesmal war es mir scheißegal. Ich fand den Titel seit einem Jahr so fett, dass ich ihn jetzt einfach genommen habe. Und dann kamen natürlich wieder die Vergleiche…

Womit wir auch schon beim nächsten Thema sind. Viele Menschen vergleichen Euch mit Six Feet Under, einer Band, von der Ihr hörbar beeinflusst seid. Ihr standet immer ein wenig im Schatten Eurer „Vorbilder“, allerdings gibt es mittlerweile vermehrt Stimmen, die Euch den längeren Atem und die besseren Songs attestieren. Stört Dich dieser Vergleich oder habt Ihr Euch damit angefreundet?
Um ehrlich zu sein beeinflusst mich SFU von allen Bands die ich mag am wenigsten. Ich würde eher sagen mich beeinflussen die gleichen Bands wie SFU. Die stehen auf Metal und Hard Rock und ich halt auch. Nur weil man keinen progressiv Death Metal macht, klingt man gleich wie SFU. Anfangs fand ich den Vergleich cool. SFU sind für mich die beste Death Metal Band. Eine der wenigen die ich anhören kann. SFU rocken, das ist fett. Inzwischen nerven mich die Vergleiche. Die meisten sind völlig deplatziert und voll für den Arsch. Klar, wir grooven und machen Death Metal. Und wo sind weitere Ähnlichkeiten? Meine Einflüsse kommen von Judas Priest, Manowar, WASP, Rammstein und AC/DC. Wir haben einen anderen Sound, ein anderes Riffing, verarbeiten andere Themen, haben Keyboards und Akustik Gitarren.
Ob wir die besseren Songs haben weiß ich nicht, meiner Meinung nach schon :). Aber na ja, SFU verkaufen wesentlich mehr und sind populärer als wir. Und ob wir den längeren Atem haben wird sich erst noch rausstellen. Die machen schon seit über zehn Jahren SFU und waren davor in anderen Bands, ich mach es noch nicht einmal fünf Jahre.

„Back In Blood“ bietet auch eine Bonus-CD mit Coverversionen von Bands wie Rammstein, Manowar oder den Beatles. Wie kamt Ihr auf diese Idee und in welchen Fällen sind die Coverversionen als Tribut an die jeweiligen Bands zu sehen?
Ich hab die Bands gecovert, die mir persönlich gefallen. AC/DC hab ich wegen Graveyard Classics weggelassen. Ich wollte zu dem normalen Album noch einen Bonus, Material für eine DVD hatte ich nicht, also die Idee mit einer Cover CD. Es sollten erst nur drei Songs werden, wir hatten dann aber mehr Zeit im Studio, jetzt sind's sieben geworden.

Inwieweit könnt Ihr Euch mit der derzeitigen (zugegebenermaßen leicht abschwächenden) Metalcore-Szene identifizieren? Es ist nicht auszuschließen, dass sich ein Teil Eurer Fanschicht auch aus diesem Lager rekrutiert. Wie bewertest du den derzeitigen Trend und glaubst du, dass er der Szene eher geschadet oder genützt hat?
Metalcore ist fett. Ich mag Hatebreed und Born From Pain. Coole Grooves, coole Songs. Mir gefällt nur der Gesangsstil nicht so hundertprozentig. Von den Szeneentwicklungen hab ich keine Ahnung.
In welchem Zeitraum entstehen bei Euch eigentlich neue Songs? Wenn man sich Eure Alben anhört hat man das Gefühl, dass der ganze Zorn, die Wut und die Robustheit in einem Rutsch eingezimmert werden.
Ich schreibe immer an neuen Songs. Vor dem Studiotermin dann intensiver, aber ich überlege mir immer neue Sachen.

Lass uns doch mal auf den Vorfall beim letztjährigen Queens of Metal-Festival zu sprechen kommen. Es geht wie du sicher ahnst um die Auseinandersetzung zwischen Dir und Eurem Gitarristen. Ich selbst war vor Ort und konnte hinterher die Reaktionen der Zuschauer vernehmen. Da noch immer ein wenig Unklarheit darüber herrscht, was genau passiert ist, hast du nun die Gelegenheit Licht ins Dunkel zu bringen.
Der Gitarrist war davor Schlagzeuger und ich hab mit ihm drei Jahre zusammen gespielt. Eigentlich ein trauriger Abschluss….Zu dem Vorfall kann ich nicht viel sagen. Ich war ultra dicht, hab das gar nicht kapiert und war hinterher auch sehr verwirrt. Auf jeden Fall hatte es irgendwas mit einer Plastik/Spielzeugkettensäge zu tun, wurde mir erzählt. Also ich bin einfach nur froh dass ich ihn los bin, er war nicht so der umgänglichste Mensch.

Was ich auf jeden Fall bezeugen kann, ist, dass Ihr live aus musikalischer Sicht eine richtige Bank wart/seid, die bei mir das Interesse an Eurer Musik erst so richtig weckte. Soweit ich weiß, seid Ihr derzeit auch mit komplett neuer Mannschaft unterwegs. Gibt es konkrete Pläne über eine ausgedehnte Tour in der nächsten Zeit?
Wir waren jetzt erst auf Tour, drei Wochen mit Moonsorrow. Auf eurer Seite gibt’s auch einen Totalveriss von unserem Konzert im Turock. Komische Sache so was, die Hälfte der Gäste war wegen uns da, wir waren Opener und es ging fett ab, und dein Kollege (Anm.: er meint Thunderforce’ Live Review) schreibt unser Konzert war voll scheiße, manchmal frag ich mich was für Loser eigentlich Reviews schreiben dürfen. Wenn jemand ein Review schreibt, sollte er wenigstens versuchen objektiv zu bleiben.
Im Herbst gehen wir bestimmt wieder auf Tour, mal schauen was sich so anbietet. Vielleicht gibts dann auch auf Metalstorm ein gutes Review.

Ihr seid ja allgemein für Eure Kunstblut-verschmierten Körper bekannt. Gibt es eine konkrete Idee dahinter, wie seid Ihr auf diesen Gimmick gekommen und wollt Ihr damit mehr erreichen als nur unterhalten? Eine Aussage vielleicht? Immerhin ist es in gewisser Weise Kunst…
Am Anfang wollten wir einfach nur auffallen, Kunstblut ist ja jetzt nicht mega ausgefallen, aber wir ziehen das konsequent durch. Inzwischen wird Blut gleich mit uns assoziiert. Und es passt zu den Titeln und der Warhammer Thematik mit dem Blood God.
Bist du eigentlich ein absoluter Death Metal-Maniac, wie es in einem der Songs des neuen Albums heißt, oder kannst du dich auch noch für andere Stile begeistern? Nenne uns doch mal ein paar deiner Lieblingsbands- und Alben.
Von Death Metal Bands mag ich die im Song genannten Bolt Thrower, Obituary und Six Feet Under. Dann noch Torture Killer oder Jungle Rot, alles was grooved und rockt halt. Cannibal Corpse sind auch fett, die haben coole Songs obwohl sie komplizierten Scheiß spielen.
Ich hasse zwanghaft progressiven Death Metal. Ist ja schön wenn man spielen kann, muss man aber trotzdem nicht alles in einem Song zeigen.
Ich mag mehr Hard Rock und Metalzeugs im Allgemeinen. AC/DC sind meine Lieblingsband, da rockt alles, Judas Priest genauso, geile Alben sind Jugulator und Angel of Retribution. WASP sind geil, Manowar, Guns’N’Roses, Rob Zombie, alles mögliche…. Von Beatles bis Mortician.

Ich frage mal ein bisschen provokant, ohne es in irgendeiner Form negativ aufgefasst haben zu wollen: Debauchery gehen natürlich in eine ganz konkrete Richtung, der gewisse Grenzen gesetzt sind. Hast du manchmal das Gefühl, dass du musikalisch auch andere Ziele verfolgen könntest, zusätzlich vielleicht zu Debauchery? Schließt du es kategorisch aus, dass sich die Band in einer Weise weiter entwickelt, die sie musikalisch weiter von dem entfernt, was sie zurzeit macht? Oder hast du nicht das Bedürfnis, irgendetwas zu ändern und bist vollkommen mit dem ausgelastet, was Ihr als Band tut?
Ich bin völlig ausgelastet. Debauchery ist mein Ding. Ich sehe da auch keine Grenzen. Ich mach Musik mit Keyboards, mit Akustik Gitarren, mit Blastbeat, mal kompliziert mal primitiv, groovend, langsam, schnell, scheißegal. Das worauf ich Bock hab. Musiker sind nur durch ihre eigenen Möglichkeiten eingeschränkt, nicht durch irgendwelche Regeln. Wer bestimmt denn wie Death Metal zu klingen hat?

Wenn du die Gelegenheit hättest, dir eine Band auszusuchen, in deren Vorprogramm ihr spielt, welche wäre es? (Natürlich darfst du in dem Falle auch eine Band wählen, die nicht mehr existiert).
Ich denke da pragmatisch. AC/DC wär zwar toll, aber im Vorprogramm von AC/DC ist es bestimmt furchtbar. Children of Bodom / Slipknot / Hatebreed oder noch mal Six Feet Under wär cool.

„Es werden Stimmen laut“ wäre sicher zu viel gesagt, aber zumindest vernehme ich im Moment doch einzelne Meinungen in die Richtung, dass der Death Metal nicht mehr viel Neues bietet und stagniert, dass seine große Zeit vorbei sei. Wie bewertest du die Lage auf mittelfristige Sicht?
Keine Ahnung. Ein guter Song bleibt ein guter Song. Dieses Denken in Schubladen und Szenen ist voll für den Arsch. Manchmal ist irgendwas angesagter, dann wieder nicht. AC/DC gibts immer noch. Rolling Stones gibts immer noch. Cannibal Corpse auch. Also was solls. Ich mach einfach mein Ding.

Gibt es noch etwas, was Ihr unseren Lesern mitteilen wollt?
Na klar, kauft alle das neue Album Back In Blood, damit es in die Charts kommt. Dann wär Death Metal auch wieder Mainstream.
Vielen Dank, Thomas, für dieses Interview


