Interviews
Totgesagte lärmen lauter
Interview mit Volker (voc) und anderen von Warhammer (31.10.2007)
Warhammer gibt es wieder, aber irgendwie gewinnt man den Eindruck, dass es so recht noch niemand zur Kenntnis genommen hat. So waren die Besucherzahlen der letzten Konzerte doch eher gering, drückte man Leuten Flyer in die Hand, bekam man nur verwunderte Reaktionen wie: „Ach, Warhammer? Die gibt es wieder?“. Ob es jetzt daran liegen mag, dass man bei einer Google Suche erstmal auf das Tabletop Spiel verwiesen wird, sei dahingestellt. Jedenfalls Grund genug, um der Band, deren Proberaum lediglich eine Viertelstunde mit dem Auto von meiner Haustür entfernt liegt, mal einen Besuch abzustatten. Nach dem unschönen Streit mit anschließender Trennung von Urmitglied Frank haben die verbliebenen Volker und Rolf nun verstärkt durch 2 junge Leute endlich ein festes Line-Up zusammen. Schon länger dabei am Bass ist der 20-jährige Christoph Erdmann. Den Posten an der Gitarre besetzt nun der 19-jährige Tim Katteluhn, der außerdem noch bei den jungen Black/Thrashern von Erazor aktiv ist.
(Odium)
Was hat euch damals an der Band Hellhammer so dermaßen fasziniert, dass ihr eines Tages beschlossen habt, euer gesamtes persönliches musikalisches Schaffen nach dieser Band auszurichten? Wann seid ihr überhaupt zum ersten Mal mit Hellhammer in Berührung gekommen?
Volker: Bei mir und Rolf ist das so, dass wir die Platte kennen, seit sie damals rausgekommen ist, da wir ja beide nun schon etwas älter sind. Was mich direkt daran fasziniert hat, war, wie anders die Musik für damalige Verhältnisse war. Hellhammer wollten ja mehr oder weniger von der Extremität an Venom anschließen, aber dadurch, dass sie spielerisch viel schlechter waren und dadurch limitierter, ist da im Endeffekt was ganz anderes bei rausgekommen. Faszinierend sind für mich die Brachialität, die Kompromisslosigkeit und die Härte, die in den Achtzigern eben rausstachen bei der Platte. Bands wie Slayer und Metallica haben da ja schon technisch anspruchsvollen Speed Metal gespielt. Und im Vergleich dazu waren Hellhammer eben ungewöhnlich, extrem und sehr brachial. Ich weiß noch genau, wie sehr mich damals meine Freunde dafür gehasst haben, weil ich der Einzige war, der die gut fand (lacht). Ich hab die Leute auf den Partys damals in den Wahnsinn getrieben mit dem Ding. Die standen mehr auf Maiden und Co., Hellhammer waren schon sehr unbeliebt.
In einem aktuellen RockHard Interview spricht Tom G. Warrior auch zum ersten Mal seit langer Zeit über seine Hellhammer-Vergangenheit und beschreibt, dass er sehr lange darunter gelitten habe, dass er wegen Hellhammer als Künstler gerade zu den Anfangstagen mit Celtic Frost nicht ernstgenommen geworden sei. Ihren Legendenstatus haben Hellhammer ja eigentlich erst mit dem Aufkommen der Black Metal Welle Anfang der 90er erhalten, als Hellhammer plötzlich als bedeutende Inspirationsquelle genannt wurde.
Volker: Hellhammer ist im Laufe der Jahre zum Kult geworden, weil sich immer mehr Leute nach und nach aus den verschiedenen Metalphasen für die Platte interessiert haben, aber zum Veröffentlichungszeitpunkt gab es in der Tat nur wenige Leute, die die Platte wirklich mochten. Das ist zumindest mein persönlicher Eindruck von damals.
Wie steht ihr denn eigentlich zu den ersten beiden Celtic Frost Scheiben? In den Inlays der Warhammer LPs hat sich Frank ja über die Band ausgelassen und „Morbid Tales“ und „To Mega Therion“ als „whimpy“ verunglimpft, in der Hinsicht also ein ziemlicher Hellhammer-Purist.
Volker: Also ich persönlich halte die ersten beiden EPs für absolut genial. Natürlich eine völlig andere Band als Hellhammer. Viele Leute werfen ja gerne die beiden Bands in einen Topf. Für mich ist da ein Riesenunterschied. Aber trotzdem finde ich die ersten drei Veröffentlichungen von Celtic Frost supergeil.
Rolf: Da stimme ich zu. „To Mega Therion“ vielleicht mit leichten Abstrichen, aber trotzdem klasse Scheiben.

Also war das allein ein Trip vom Frank damals?
Volker: Ja, definitiv. Also Frank hat immer gegen die Celtic Frost Veröffentlichungen gewettert. Wir haben uns damals auch relativ offen darüber unterhalten und ich bin da wie gesagt ganz anderer Meinung. Ich denke, dass auch die Celtic Frost Sachen vom Stil her sehr wegweisend waren für das, was später noch kommen sollte. Es gibt heutzutage weit mehr Metal Bands, bei denen man Celtic Frost Einflüsse hören kann als Bands mit Hellhammer Einflüssen. Celtic Frost sind eine sehr wichtige Band gewesen. Das Einzige, was mich - wie bereits erwähnt - aufregt, ist es wenn Celtic Frost und Hellhammer als eine Band gesehen werden, denn das wird der Sache nicht gerecht.
Kommen wir mal von der Vergangenheit zur Gegenwart. Die Alterskonstellation in der Band im jetzigen Line-Up ist ja schon als ungewöhnlich zu bezeichnen. Katte und Christoph sind bedeutend jünger, als ihr es seid und deshalb auch nicht mit Hellhammer aufgewachsen. War es jemals ein Problem für euch, mit zwei jungen Leuten in einer Band zu spielen, die nicht so viel mit Hellhammer verbinden, wie ihr es tut?
Volker: Für mich ist das kein Problem, da ich bei Christoph und Katte merke, wie sehr ihnen die Warhammer Lieder gefallen. Sie sollen einfach Spaß haben an der Musik, die wir mit Warhammer jetzt machen.
Christoph: Ich kannte bevor ich bei Warhammer angefangen habe weder Hellhammer noch Warhammer und es ging in dem Moment auch nur um die Musik, die ich gehört habe, als mir das Ganze präsentiert wurde. Ich habe das deshalb eigentlich auch immer gut trennen können, also Hellhammer und Warhammer. Klar versteht man mit der Zeit auch, worauf Frank, Volker und Rolf damals hinauswollten, aber ich persönlich habe das immer getrennt.
Katte: Im Gegensatz zu ihm kannte ich Hellhammer und Warhammer schon, wenn auch nicht alles, aber ich fand es schon recht geil und wollte dementsprechend dann auch unbedingt dabei sein, als sich mir die Gelegenheit bot. Wie Christoph schon gesagt hat, kann auch ich Hellhammer und Warhammer voneinander trennen.
Volker: Neben der Tatsache, dass beide Spaß an der Mucke haben, war für mich vor allem wichtig, dass man menschlich miteinander klarkommt. Ich weiß, dass Christoph Hellhammer nicht kannte, bevor er auf unsere Anzeige geantwortet hat, aber mir ist das egal.
Es gab aber keine Anfeindungen, dass damit die Glaubwürdigkeit der Band gefährdet wäre?
Volker: Ne, Anfeindungen nicht, aber es ist natürlich so, dass Frank präsent war, durch die Texte in den Booklets, Vorwörter und Interviews usw. und deshalb wurde, als wir wieder angefangen haben, oft gesagt, dass doch Frank nicht dabei wäre. Zum Glück hab ich momentan das Gefühl, dass das Thema nicht mehr aufkommt bzw. eigentlich keinen mehr interessiert.
Rolf: Wir haben auch kaum Reaktionen bekommen nach dem Motto: „Ihr seid jetzt aber scheiße!“. Die Leuten finden die Musik geil und wer da den Bass spielt, ist den meisten vermutlich letztendlich egal.
Ich will ungern jetzt die ganzen unschönen Geschichten aufwärmen, die damals zum Split mit Frank geführt haben, aber du hast mir mal auf einem Konzert auf recht anschauliche Weise erklärt, wieso ihr deiner Meinung nach das Recht habt, auch ohne den bisherigen Hauptsongwriter weiterzumachen. Es wäre schön, wenn du dies für das Interview noch einmal aufgreifen könntest.
Volker: Ja, uns wurde zum Zeitpunkt des Neuanfangs in der Tat oft vorgeworfen, dass wir ja jetzt mit Franks Liedern hausieren gehen würden. Und ich finde das halt unfair, weil einerseits bei vielen anderen Bands genau das Gleiche der Fall ist, wo sich komischerweise nie jemand aufregt, z.B. Hirax. Katon hat kein einziges Riff geschrieben von den alten Platten und die Mitglieder, die er damals hatte sind schon seit 15 Jahren nicht mehr in der Band. Und jetzt ist er mit irgendwelchen neuen Leuten wieder auf Tour, spielt das Material der alten Scheiben und kann von sich auch nur behaupten, dass er die Texte geschrieben hat. Und ich hab bis jetzt noch nicht einmal gehört, dass irgendjemand gesagt hätte: „Katon von Hirax geht mit den alten Liedern hausieren“. Und das ist nur ein Beispiel. Halford z.B. hat in der Zeit, in der er nicht bei Priest war und seinen Solo-Scheiß veröffentlicht hat, auch Sets mit 60-70 % alten Judas Priest Songs bestritten. Und auch da hat sich keiner beschwert. Deshalb finde ich es ungerecht, dass bei Warhammer immer wieder darauf hingewiesen wurde. Und andererseits war Frank ja auch nicht jemand, der in den Proberaum kam und einen hundertprozentig perfekten Song vorgelegt hat. Sicher sind die Riffs zu 99% von ihm, aber es gab auch genug Gelegenheiten, wo Rolf und ich etwas beigesteuert haben, indem wir ihn z.B. darauf aufmerksam gemacht haben, dass ein Riff zwar gut ist, aber mehr nach Celtic Frost als nach Hellhammer klingt. Rolf hat mit Frank die Drumparts ausgearbeitet und die Gesangslinien sind auch vollständig von mir. Ich bin der Meinung, dass erst durch das ganze Arrangieren ein fertiger Song entsteht. Und deshalb finde ich, dass die Lieder nicht zu 100% Frank gehören. Sicher mag es Bands geben, bei denen ein Gitarrist wirklich so perfekt ist und alles vorgibt, aber bei Warhammer war das sicher nicht der Fall und deshalb finde ich es unfair, wenn es heißt, dass wir mit fremden Liedern hausieren gehen würden.

Lassen wir doch noch mal die Warhammer Alben im Einzelnen Revue passieren, angefangen mit „The Winter Of Our Discontent“ aus dem Jahr 1997.
Volker: „The Winter Of Our Discontent“ ist bei mir mittlerweile eine zweischneidige Geschichte. Persönlich finde ich dieses Album nicht so toll. Als wir aus dem Studio kamen, war ich zunächst unentschlossen, doch mit der Zeit hat sich herauskristallisiert, dass ich die Scheibe nicht so toll finde. Insbesondere mit meiner Gesangsarbeit bin ich nicht zufrieden. Wir haben uns gesagt, dass wir Hellhammer bis zum Maximum kopieren und am besten gelungen ist uns in der Hinsicht das Cover. Egal, wie kompliziert die späteren Zeichnungen auf den Covern waren, im Vergleich zu dem Hellhammer Cover ist es fast schon unverschämt, wie nah es am Original ist und deshalb finde ich diese Zeichung am besten. Aber um zur Musik zurückzukommen: Ich bin wie gesagt mit mir selber sehr unzufrieden, weil ich nichts anderes mache, als die Texte zu singen. Da ist kein Schrei, kein „Uh!“ und auch sonst nichts anderes, was man sonst noch mit der Stimme machen kann und das kann man eigentlich nicht bringen, wenn man Hellhammer kopiert.. Am Anfang von „Devastation of Silent Resistance“ kommt erstmal anderthalb Minuten gar nichts und das ist Langeweile pur. Da fehlt das, was Tom am Anfang von „Triumph of Death“ macht, nämlich schreien, als wenn er gerade abgestochen wird, um einfach die Extremität auch mit der Stimme rüberzubringen. Ich stand da am Mikro im Studio und hab gewartet, bis die erste Zeile kommt. Deshalb bin ich dermaßen unzufrieden mit dem, was ich da selber gemacht habe. Mit dem Gesang bin ich zwar zufrieden, aber wenn man Hellhammer kopieren will, muss da mehr kommen und deshalb höre ich mir „The Winter Of Our Discontent“ heute nicht mehr gerne an.
Rolf: Erwähnen sollte man vielleicht noch die chaotischen Zustände während der Aufnahmen in dem gerade neu eingerichteten Studio. Da ging echt einiges drunter und drüber, was man im Nachhinein hätte besser machen können.
Volker: Die Geschwindigkeit auf der Scheibe ist auch noch so eine Sache. Bei den Speednummern auf der Scheibe wollten wir 1 zu 1 das gleiche Tempo haben wie auf der „Apocalyptic Raids“. Leider ist uns da mit dem Metronom auch ein Fehler unterlaufen, deshalb bin ich auch der Meinung, dass die schnellen Lieder wie „Beyond Forgiveness“ zu lahmarschig sind.
Als nächstes kommt dann die „Deathchrist“ im Jahr 1999.
Volker: Meiner Meinung nach viel besser als „In The Winter Of Our Discontent“, aber ich finde, es ist vielleicht ein Album, das von allen fünf am ehesten das Attribut unauffällig verdient hätte. Es ist nicht so ein Album, das groß auffällt, aber ich habe es mir mittlerweile so oft angehört, dass ich jedes Lied darauf gut finde. Am Anfang war ich etwas unzufrieden, als wir aus dem Studio kamen, weil einige Dinge nicht so gut gelaufen sind, aber im Laufe der Zeit ist es mir sehr ans Herz gewachsen. Aber ich habe noch nie jemanden getroffen, der gesagt hätte: „Warhammer ist geil und „Deathchrist“ ist eure geilste Schiebe.“ Und das meine ich mit unauffällig.
Im Jahr 2000 erblickte dann der „Doom Messiah“ das Licht der Metal-Welt.
Volker: “The Doom Messiah“ ist mit Abstand meine Lieblingsplatte von Warhammer, weil ich den Sound und die Lieder supergeil finde. Das Artwork und das Booklet sind eine runde Sache. Das war ein Album, bei dem wir gespannt waren, ob das einen Schub nach vorne geben könnte. Der Andy Siry hat damals relativ viel Werbung gemacht für solche Bands wie Warhammer. Das war der Moment, wo wir gedacht hatten, jetzt geht vielleicht doch noch ein bisschen mehr als nur die Die Hard Hellhammer Maniacs zu erreichen. Ich finde, das Album ist vom Stil her offener. Es ist zwar noch immer Hellhammer, aber teilweise gab es auch andere Einflüsse. Trotzdem hat sich nichts verändert am Bekanntheitsgrad und Status der Band, was mich sehr enttäuscht hat. Ich hatte damals den Eindruck, dass Frank sich besonders viel von der Platte versprochen hatte. Das war der Moment der Ernüchterung, dass unsere Musik, trotz Werbung und guter Kritiken, „Musik für Freaks“ geblieben ist.
Katte: Ich kann zu der Entstehung und den Erwartungen natürlich nicht viel sagen, aber es ist mein Lieblingsalbum von Warhammer und hat durchweg gute Lieder.

Schließlich kam dann „Curse Of The Absolute Eclipse“. Kann es sein, dass sich die Spannungen innerhalb der Band, die dann zu dem Split geführt haben, da schon angedeutet haben?
Volker: Ja, das hat sich über einen längeren Zeitraum entwickelt, bis es dann geknallt hat. Ich will jetzt da auch nicht ins Detail gehen, aber es war so, dass ich nach dem Streit im Studio überlegt habe, die Aufnahmen abzubrechen. Ich war dann sehr zufrieden mit der Entscheidung, dass ich schließlich doch noch eingesungen habe, denn es wäre sehr schade um die Lieder gewesen. Ich finde es mittlerweile ziemlich geil. Es ist ein gutes Produkt geworden, trotz der Streitigkeiten. Was ich aber nicht mag, ist das Cover, von den Farben und der Computerbearbeitung im Booklet her. Auch das weinrote Artwork finde ich fürchterlich, aber wenn man das alles außen vorlässt, ist es eigentlich gelungen. Ich würde nicht sagen, dass man beim Hören zu dem Schluss kommen könnte, dass da irgendetwas nicht stimmt und dass man das Gefühl bekommt, die Musiker stehen nicht mehr dahinter. Wir spielen einige Lieder immer noch live.
Mit „Towards The Chapter Of Chaos“ kam zum Abschluß dann eine Compilation.
Volker: Enthalten war das Demo, das wir zu „The Winter Of Our Discontent“ im Studio aufgenommen haben plus Bonustracks, die wir mit 4-Spur-Recordern im Proberaum aufgenommen haben.
Wie kam es dazu, dieses Material noch zu veröffentlichen?
Volker: Ich war nicht dabei, das hat Frank mit Andy Siry ausgemacht. Ich habe damit nichts zu tun gehabt. Ich wäre sicher auch dagegen gewesen, die Single mit daraufzunehmen. Wir wollten unbedingt einmal eine Single machen, weil eine Single ist einfach Metal und cool, wir haben gesagt: „Vinyl Only“. Das wurde ja dadurch, dass man die Lieder auf eine CD gepackt hat, zerstört. Die Aufnahmen sollten es eben nur auf dieser Single geben. Was mir auch nicht gefiel, war die Engstirnigkeit von Frank, das eine Lied „Shattered Memories“ vom Demo nicht mit draufzupacken. Ich finde, wenn eine Band 1996/1997 eine Demo aufgenommen hat mit 5 Songs und die Demo kommt später raus, die „Towards The Chapter Of Chaos“ hieß und dann wieder so genannt wird, dann sollten da auch alle Lieder drauf sein, auch wenn man einen Song dann nicht mehr so toll findet. Deshalb sehe ich diese Veröffentlichung auch zwiespältig.

Nach dem Ende der Band war der persönliche Frust wohl ziemlich groß?
Volker: Der war sehr groß. Ich denke, an dem Tag, an dem es dann geknallt hat im Studio, hatte ich so schlechte Laune wie noch nie in meinem Leben. Ich hatte keinen Bock mehr auf Musikmachen und die Schnauze voll. Es hat eine Zeit gedauert, bis ich darüber hinwegkam. Zu dem Zeitpunkt war der Frust so groß, dass ich auch nicht eine Sekunde darüber nachgedacht habe, mir eine neue Band zu suchen. Rolf ging es ähnlich.
Rolf: Ich habe mein Schlagzeug verkauft und nicht daran gedacht, noch einmal Musik zu machen.
Volker: Wir beide haben keine Anstalten gemacht, neue Leute zu suchen oder woanders anzufangen.
Und wie kam es dann dazu, dass der Wunsch Musik zu machen wieder aufkam?
Volker: Ich saß eines Abends einmal bei mir Zuhause und guckte mir ein altes Warhammervideo an. Da habe ich mir eines rausgesucht, wo wir in Bielefeld gespielt haben und da habe ich Gänsehaut bekommen. Die Leute bangten vor der Bühne und ich dachte: „Das ist so geil, das kann doch nicht das Ende sein.“ Da war ein Wunsch da, noch einmal auf der Bühne zu stehen, eigene Lieder zu spielen und Leute vor der Bühne zu haben, die das gut finden. Da habe ich gemerkt, dass es doch nicht ohne geht. Auf dem Video kam einfach eine unglaubliche Atmosphäre rüber. Da war mir klar: Es ist noch nicht zu Ende. Rolf hat mich dann angerufen und ich habe ihm erzählt, dass ich Bock habe, noch einmal anzufangen.
Rolf: Ich war dann Feuer und Flamme. Wir wussten aber nicht, wie wir das realisieren sollten. Ich hatte kein Schlagzeug, keinen Proberaum, keinen Gitarristen, keinen Bassisten, wir hatten nur eine Idee. Wir wollten eigentlich unseren alten Gitarristen anrufen, ob er nicht Bock hätte, wieder mitzumachen. Dann hat er schließlich mich angerufen und erklärte, dass er einen Schlagzeuger suchte. Da habe ich ihn gefragt, ob er nicht wieder bei Warhammer mitmachen wolle. Er hatte einen Proberaum und einen Bassisten, der dann aber ausgestiegen ist, weil er mit der Musik nichts anfangen konnte.
Volker: Wir haben dann also zu dritt wieder angefangen und ein paar alte Lieder gespielt. Dann kam das alles Schritt für Schritt wieder ins Rollen. Wir saßen eines Abends beim Rolf und wollten den Hoffi anrufen und ihn fragen, ob er auch wieder einsteigt, aber das kam uns so absurd vor, dass wir es nicht gemacht haben. Später kam dann ein Anruf von Hoffi an Rolf, der ihm dann von Warhammer erzählt hat. Er wollte tatsächlich mitmachen, das war natürlich toll.
Was habt ihr jetzt noch für Visionen, was kann man neben Konzerten erwarten? Wird es eine neue Platte geben?
Volker: Das ist natürlich eine schwierige Geschichte, weil Frank natürlich fehlt. Durch den ganzen Stress, den wir jetzt Anfang des Jahres hatten, durch den Ausstieg unseres Gitarristen und dann Hobie rein und Hobie raus, sind wir natürlich auch nicht weitergekommen. Wenn man einmal die Woche probt, kommt man natürlich nicht weit. Ich habe ein Lied im Kopf und könnte mir vorstellen, dass Katte oder Christoph es aus meinem Kopf auf die Gitarre bringen. Aber ich weiß nicht, ob wir ganz ohne Frank irgendwann 10 oder 12 Lieder hinbekommen. Wir müssten die Zeit finden, uns einmal zusammenzusetzen, weil ich ein Hauptriff und ein Riff für die Strophen und einen Text im Kopf habe. Vielleicht wagen sich auch Katte und Christoph einmal an Hellhammerriffs ran.
Katte: Von meiner Seite sind schon Ambitionen da, aber das ist immer so eine Sache. Da sitzt man zuhause und versucht Riffs zusammenzufrickeln, die nach Hellhammer bzw. nach Warhammer klingen und vieles verwirft man dann wieder. Ist nicht so eine leichte Sache in die Fußstapfen von Frank zu treten, der ja einiges vorgeleistet hat. Ich werde mich aber wahrscheinlich noch einmal daran versuchen.
Volker: Ich denke mal ein ganzes Album mit 40/45 Minuten Spielzeit könnte ein schwieriges Unterfangen werden. Aber ich denke, dass es schon etwas in Richtung LP oder MiniLP geben wird. Ich hoffe es einfach. Ich denke, dass, wenn Katte konstant dabei bleibt, mal ein bisschen Ruhe einkehrt und dass man dafür auch mal ein bisschen Zeit hat. Anfang des Jahres ist der Hoffi bei uns ausgestiegen und dann mussten wir mit Hobie ein komplettes Liveset einüben, um ein paar Konzerte spielen zu können. Aber wenn du einmal die Woche für 3-4 Stunden probst, bleibt keine Zeit. Jetzt haben wir unser Set endlich zusammen und dann gibt es in der Zukunft vielleicht mal die Möglichkeit zu sehen, was sonst noch so geht.

Glaubt ihr denn, dass ihr nach all den Jahren mit Warhammer den Respekt bekommt, den ihr verdient?
Volker: Schwierige Frage. Respekt ist auch ein schwieriges Wort. Ich denke, dass es immer genügend Leute geben wird, die sagen: „Hellhammer ist Kult und Warhammer ist scheiße und eine billige Kopie.“ Die Leute wird es immer geben und die werden auch nicht verstummen. Ansonsten habe ich eigentlich das Gefühl, dass wir auf den Festivals, bei denen wir aufgetreten sind, also Keep It True und Steel Meets Steel, gut aufgenommen und nicht vergessen wurden, obwohl wir nicht mehr in der Originalbesetzung spielen und eine lange Pause gemacht haben. Ich habe das Gefühl, das es so ein Ding gewesen ist, das in den Köpfen der Leute hängen geblieben ist. Das fand ich ganz angenehm, dass man auf einem Festival spielen kann, wo auch ältere Leute im Publikum waren und gut angenommen wurde. Das war eigentlich so ein Zeichen, dass man auf dem richtigen Weg ist. Ich weiß nicht, was ich gemacht hätte, wenn es bodenlos in die Hose gegangen wäre von den Publikumsreaktionen her. Das wäre nicht so der Ansporn gewesen, weiterzumachen. Das war unser erstes Konzert mit Christoph und ich fand, es war die richtige Entscheidung, noch einmal wieder zu kommen. Im Underground ist der Respekt auf jeden Fall da. Ich bin mir sicher, dass unsere Musik Underground ist und immer Underground sein wird. Von uns vier denkt keiner, dass man den Underground verlassen könnte, aber dort haben wir unseren Platz.
Und das ist das, was du dir damals vorgestellt hast, als du die Band ins Leben gerufen hast?
Volker: Ja, mit der einen Ausnahme, wo ich geträumt habe, dass mit „The Doom Messiah“ vielleicht mehr geht, was ja dann relativ ernüchternd abgeschmettert wurde. Ich denke, es wäre eine andere Situation gewesen, wenn wir damals in den 80ern am Start gewesen wären. Aber ich denke, wir haben erreicht, was wir mit dieser skurrilen Art von Musik erreichen können. Ich denke, Bands, die in den 80ern angefangen haben, haben einen großen Vorteil. Wenn Tankard zum Beispiel 1995 gegründet worden wären, wäre das nichts geworden. In den 80ern war es überschaubarer für die Bands, das war ein guter Zeitpunkt um durchzustarten.
Katte: Bezogen auf die heutige Zeit, finde ich es schade, dass viele noch gar nicht wissen, dass es Warhammer wieder gibt. Ich selber war auch verblüfft, als ich das gehört habe. Auch im Internet gibt es überall Berichte, in denen steht, dass die Band sich aufgelöst hat. Wenn man Leuten Flyer in die Hand drückt, sagen sie: „Was, Warhammer gibt es wieder? Stark.“ Das hat sich wohl noch nicht so verbreitet.
Deshalb habe ich euch ja auch um dieses Interview gebeten. Abschließend bitte ich euch, von Hellhammer abgesehen, 3 unterbewertete Klassikerscheiben zu nennen, die man jungen Musikfans empfehlen könnte.
Volker: Das ist keine ganz so leichte Frage, die man aus dem Stehgreif beantworten kann. Viele Platten, die superwichtig sind und die man jungen Leuten empfehlen sollte, sind natürlich auch Klassiker geworden. Ich würde sagen, auch wenn Christoph sich gleich totlacht, weil er die Idee diese Band zu covern nicht ganz so gut fand, die erste Living Death LP, die finde ich sensationell, obwohl Destruction, Sodom, Kerator viel bekannter geworden sind . Die Gitarrenarbeit auf der ersten Living Death ist im Grunde fast wie auf der ersten Metallica, aber da weist keiner drauf hin, dass zwei Typen aus Deutschland genauso so ein Brett an den Gitarren abgeliefert haben wie die perfekten Amis. Was ich an Living Death so genial finde, dass die anderen vier Musiker den Gesang akzeptiert haben, der im Grunde völlig schräg und weg ist, aber auch einzigartig. Ich finde das so cool, dass sie in den 80ern gesagt haben: „Toto, du machst das so, auch wenn das eigentlich total daneben ist, was du da machst, aber wir ziehen das durch.“ Für mich ist die Platte eine der besten deutschen Metalplatten überhaupt. Ich hätte mir gewünscht, dass man die in einem Atemzug nennt mit Kreators „Pleasure to Kill“ oder Destructions „Infernal Overkill“. Das würde ich für Deutschland sagen.
Eine Platte, die mich total weggehauen hat und von der ich sagen würde, dass sie die beste Metalplatte seit Jahren ist, ist die Traveller-LP von The Lord Weird Slough Feg. Ich finde, man kriegt so oft vom Rock Hard oder dem Metal Hammer und anderen Magazinen irgendwelche neuen Bands um die Ohren geknallt, bei denen sich alle einig sind: „Das ist die Entdeckung, das ist die geniale Band.“ Und dann höre ich mir das an und das ist der letzte Scheißdreck und die Traveller-LP wird immer mal hier und da als Tipp angegeben, mehr aber auch nicht. Das ist die Metalplatte, die eigentlich jeden Soundcheck hätte gewinnen müssen und nicht irgendwelche Communic oder sonstige Drecksbands, die mir alle auf den Sack gehen. Ich finde die Platte so perfekt. Da sind Lieder drauf, die Iron Maiden seit Jahren nicht mehr in der Lage sind zu schreiben.
Katte: Ich würde noch Poison nennen. Die sind dann untergegangen, als sie sich aufgelöst haben, obwohl die Lieder gerade gegen Ende eine Menge Potential hatten.
Volker: Die hatten damals das Problem, dass die den Split hatten, bevor sie ins Studio gekommen sind. Die sind dann im Laufe der Jahre eine Kultband geworden, aber Kultband bedeutet zwangsläufig, dass sie nicht viele Leute hören.
Katte: Eine Band, die mich in letzter Zeit ebenfalls überzeugt hat, sind Crystal Viper. Mit der Musik und dem Gesang werden sicher nicht alle was anfangen können. Ich mag nur zwei Alben mit weiblichem Gesang und das ist auf jeden Fall eines davon.
Jungs, vielen Dank für eure Tipps und für das gesamte Interview!


