Interviews
Neues aus dem Osten
Interview mit Rudi von Moshquito (27.02.2008)

Wenn man an die Metalszene der DDR denkt, fällt immer wieder der Name MOSHQUITO. Zwar hat man mal den Namen gewechselt und auch eine Pause eingelegt, aber dennoch dürfte der Fünfer aus Sachsen eine DER Konstanten in der ostdeutschen Metalszene sein. Da man nun mit Behind The Mask ein neues Album auf den Markt geschmissen hat, nahmen wir die Chance wahr, den Jungs ein paar Fragen zu stellen.
(Sprengie)
Ihr feiert ja dieses Jahr euer 25jähriges Bandbestehen, wie fühlt ihr euch nach so einer beachtlichen Zeit in der Szene?
Fit genug, um die nächsten 25 anzugehen! ;)
Ist zu diesem Anlass etwas Größeres in Planung? Vielleicht eine Tour mit Special-Setlist, wie es zur Zeit groß in Mode ist? Oder pfeift ihr auf Schikimiki und zieht weiter euer Ding durch?
Eigentlich ist da nix besonderes geplant. Das Jubiläum ist uns nicht wirklich wichtig, zumal ja in dieser Zeit einiges passiert ist, was diese Zahl schon ziemlich relativiert. Dazu zählt die Umbenennung in den 80ern, sowie die längere Pause Anfang der 90er. Wir ziehen unser Ding durch wie gehabt. Auch was die Setlist anbelangt, wird es keine Besonderheiten geben. Wir stellen unser neues Material vor, um die Leute auch live davon zu überzeugen. Ein paar ältere Stücke und ein bis zwei Coversongs sind natürlich immer dabei, die auch von Gig zu Gig variieren können. Wir sind da sehr flexibel.
Größere Touren werden auf Grund unserer Berufstätigkeit leider kaum möglich sein, aber wir bemühen uns, zumindest an den Wochenenden so weit wie es geht rumzukommen, um möglichst flächendeckend auf uns aufmerksam zu machen.
Was erwartet uns denn mit dem demnächst erscheinenden Album „Behind The Mask”? Bleibt alles beim Alten oder habt ihr euch Wandlungen irgendwelcher Art auferlegt?
Als Band ist man ja immer bestrebt, sich ständig weiterzuentwickeln und sich von Album zu Album immer wieder selbst zu übertreffen. Wir denken, dass uns das recht gut gelungen ist.
Zu hören ist ein Mix aus traditionellem Thrash- und progressiv angehauchtem Death-Metal, der eigentlich in keine bestehende Schublade passt. Lasst euch einfach überraschen und macht euch selbst ein Bild...
Mittlerweile wurde ja durch ein ausführliches Special im RockHard der Allgemeinheit die Ostmetal-Szene etwas näher gebracht. Aber erzählt doch ihr mal bitte aus eurer Sicht, wie es als Heavy-Musiker war in einem repressiv agierenden Staat wie der DDR unsere geliebte Mucke zu machen?
Diese Geschichte hatte zwei völlig verschiedene Seiten. Einerseits war man ja, vor allem als Metalband, bei der Obrigkeit gar nicht gern gesehen und wurde aus dieser Richtung gemobbt, wo es nur ging. Die andere Seite war, dass Bands wie wir die Fans magisch anzogen und einen totalen Kultstatus genossen. Wir wurden damals gefeiert wie die Superstars und die Säle platzten jedes Mal aus allen Nähten! Und genau das rief die oben genannten Betonschädel auf den Plan, die uns dann so viele Steine wie möglich in den Weg schmissen, was uns bei den Fans wiederum nur noch interessanter machte.
Einfach war es sicher nicht, aber wir haben uns halt irgendwie immer wieder durchgebissen.
Was hattet ihr hauptsächlich für Vorbilder aus der westlichen Welt? Und welche Bands aus der Palette des Ostmetals hatten es euch besonders angetan?
Richtige Vorbilder hatten wir eigentlich weder im West- noch im Ostmetalbereich. Vor der Wende haben wir immer versucht, gewissen Trends zu folgen, um den Leuten möglichst schnell das bieten zu können, was sie gerade hören wollten. Da die Szene damals sehr eng und fast familiär war, war es auch nicht schwer, das herauszufinden. So feierten wir anfangs Erfolge mit traditionellem Heavy Metal á la Priest, Saxon oder Ozzy, später wurde Metallica gecovert, was das Zeug hielt und schließlich kamen wir über Slayer und Anthrax im Thrash-Bereich an. Die Demos mit den Eigenkompositionen waren dann auch in diesem Genre angesiedelt.

Mittlerweile gibt es ja glücklicherweise sehr viel mehr Möglichkeiten, was Studios, Gigs und die Szene allgemein anbelangt. Aber ihr seid in der Lage, Vergleiche besonderer Art zu ziehen - was war früher gut oder was ist im Vergleich dazu heute markant negativ im Metalsektor?
Wie schon gesagt, gut war damals die Szene an sich. Das war wie eine große Familie, wo sich jeder für den anderen den Arsch aufgerissen hat. Viele Möglichkeiten hatte man ja nicht, also setzte man sich am Wochenende in den Zug, um zum Konzert zu fahren. Da wurden stundenlange Reisen mit teilweise mehrmaligem Umsteigen in Kauf genommen, nur um einerseits die Lieblingsband zu sehen und andererseits mit den Kumpels Bier zu trinken und die Rübe zu schütteln, so wie schon eine Woche vorher am anderen Ende der DDR. Bei den Konzerten herrschte jedes Mal eine Atmosphäre, die man nicht beschreiben kann, und die heutzutage auch nicht mehr zustande kommen könnte. Wenn ich daran zurückdenke, krieg ich immer noch `ne Gänsehaut!
Äußerst negativ an der heutigen Zeit finde ich die völlige Übersättigung des Musikmarktes. Heutzutage bringt ja jeder, der `ne Gitarre halten kann, erstmal `ne CD raus, und das macht es einem unheimlich schwer, die wirklich guten Sachen herauszufinden. In den 80ern war es selbst im Westen noch nicht so krass. Da gab es eine Handvoll ganz große Helden, die Millionen um sich scharten. Heute gibt es Millionen Bands und ebenso viele Millionen verschiedene Stilrichtungen. Ich für meinen Teil sehe da nicht mehr durch und finde diese Entwicklung überhaupt nicht gut. Aber was will man machen? Die alten Platten entstauben und in Erinnerungen schwelgen... ;)
Wo wir gerade bei altem und neuem sind: was haltet ihr von der Möglichkeit, CDs über Online-Musikdienste wie Apple ITunes-Store oder mp3.de anzubieten ohne das drumherum eines Booklets oder eines physischen Mediums? Modern und innovativ oder doch eher am falschen Ende gespart?
Darüber haben wir uns überhaupt noch keine Gedanken gemacht. Ich persönlich bevorzuge immer noch die `richtigen` CDs. Wenn ein für mich interessantes Album angekündigt wird, dann stehe ich zum Releasedate im Plattenladen. Aber das ist nur meine Meinung...
Habt ihr euch jemals träumen lassen, dass ihr zu denen gehören würdet, die nach der Wende als Band überleben würden oder zumindest ein Comeback feiern können?
Was meint Ihr, was wir kurz nach der Wende für Flausen im Kopp hatten! ;)
Natürlich war es immer unser Ziel, weiter zu existieren, wenn uns auch gewisse Umstände vorerst daran hinderten. Aber zumindest der Kern der Truppe hatte nie irgendwelche Zweifel, dass es trotz der völlig neuen Situation irgendwie weitergehen kann.
Ist es absehbar, dass die Band euch vollständig finanzieren kann oder steckt ihr auch in der Tretmühle, für euren Lebensunterhalt noch malochen gehen zu müssen? Was kommt einer Bandarbeit mehr zugute - Vollzeitmucker sein oder Arbeit?
Natürlich müssen wir den Buckel krumm machen, um unsere Brötchen zu verdienen. Vor allem, wenn man Familie hat, ist es ja mehr als riskant, sich als Vollzeitmucker zu versuchen, von daher wird das wohl vorerst unser Hobby bleiben.
Für die Bandarbeit wäre es sicherlich besser, wenn man ohne herkömmlichen Job auskommen könnte, aber man kann sich es ja nicht aussuchen.

Wie steht ihr dazu, dass der Metal in eurer Heimatregion mehr und mehr am Verlieren ist? (Hallen werden zwangsgeschlossen, das WFF wurde aus Zwickau förmlich hinausgejagt, und der Wikinger, das quasi letzte Bollwerk, steht auch ständig leerer da...)
So sehen wir das eigentlich überhaupt nicht, der Metal ist in unserer Region eher im Kommen als am Verlieren. Das WFF befindet sich ja nach wie vor in Sachsen, nur eben an anderer Stelle. Und dass der eine oder andere Schuppen dichtmachen muss, passiert auch in anderen Gegenden. Dafür entstehen ja auch immer wieder neue Sachen.
An den Fans kann`s nicht liegen, da bemerken wir eigentlich eher einen Aufwärtstrend. Besonders für uns interessiert sich zunehmend auch sehr junges Publikum.
Grützer von den ChronicalMoshers lässt fragen: Rudi, wie ist das so als einziger Kurzhaariger in einer mehrheitlich Matte tragenden Band?
Hallo Grützer! Diese Situation ist mit einfachen Worten eigentlich nicht zu beschreiben. Ich kann Dir hier nur vorschlagen, es selbst auszuprobieren... ;)
Enni (ebenfalls CM), möchte folgendes wissen: Warum probiert ihr, immer wenn man euren Bus auf Zeltplätzen sieht, die Nebelmaschine Indoor aus? (Oder wie erklärt sich der Nebel sonst)?
Das, lieber Enni, könnte durchaus auch an Deiner eigenen (leicht getrübten) Wahrnehmung liegen. Oder möchtest Du behaupten, dass Du immer vollkommen klaren Blickes über die Zeltplätze gehst, wo unser Bus steht...? ;)
Wie ist es um eure längerfristige Zukunft bestellt - möchtet ihr aktive Metaller bis zur Metalrente bleiben, uns noch mit zahlreichen geilen Alben beglücken, anständig touren mit allem Pipapo oder meint ihr, dass vielleicht nicht doch früher oder später die Luft raus sein könnte?
Wir machen weiter, bis wir von der Bühne kippen!
Okay, das wärs soweit, danke für`s Fragenbeantworten, ihr habt das letzte Wort:
Was soll ich noch sagen... Vielen Dank und viele Grüße, man sieht sich!


