Interviews
Schottische Piraten Ahoi
Interview mit Gavin von Alestorm (05.08.2008)
ALESTORM bringen die Leute massenweise zum Niederknien: Die einen vor der Anlage, die anderen vor der Kloschüssel.
Wer der Band jedoch Sympatie entgegen bringt, dem wird das folgende Interview bestimmt gefallen...
(Lagatta)
Gavin, kannst du Alestorm kurz vorstellen und etwas zu eurer Bandgeschichte erzählen?
Gegründet wurde die Band von Chris und mir. Wir haben zu zweit eine CD in meinem Zimmer aufgenommen die aus irgendwelchen Gründen nicht völlig scheiße war so das ein paar Leute im Internet den Kram mochten. Also haben wir einen Bassisten ins Boot geholt – Dani, der immer noch dabei ist – und haben noch eine CD aufgenommen, die den Leuten wieder gefallen hat. Trotzdem haben wir erstmal ein Jahr lang nichts mehr gemacht. Dann haben wir eine E-Mail an Napalm Records geschrieben. Sie bestand aus einem Satz: „Check our stuff.“ So sind wir zu unserem Vertrag gekommen.
Wie gefällt dir das Leben als Rockstar, wenn ihr auf Tour seid?
Es macht mich fertig. Wirklich. Riech mal. (Hebt die Arme)
Nein, es macht Spaß. Ich versuche, auf diesem Festival nüchtern zu bleiben. Ich BIN nüchtern. Es geht also. Wie gesagt, es macht Spaß, mit (auf deutsch)
"meine Frau" umherzureisen und das alles. Wir haben mittlerweile einige lustige Geschichten und kaputte Dinge hinter uns.
Musstet ihr für die Tour eure Jobs aufgeben?
Ja, aber ich habe erst kurz vor der Festivaltour aufgehört zu arbeiten. Allerdings muss man dazu auch sagen, dass ich außer Alex der einzige in der Band bin, der überhaupt einen Job hatte. Alles faule Säcke. Jetzt haben wir ja das Geld, das wir von Napalm bekommen. Es ist nicht so viel, aber es reicht zum überleben. Mit gratis Tickets für`s Metalcamp
Was hat sich mit eurem ersten Album sonst noch geändert?
Musikalisch gesehen nicht sehr viel. Es sind größtenteils die gleichen Songs, die schon auf den beiden Demos waren. Nach dem wir den Vertrag unterschrieben hatten, hatten wir drei Monate Zeit uns ein Album aus den Ärmeln zu schütteln. Also sind wir die Demos durchgegangen und haben die besten Songs rausgesucht. Das einzige was sich geändert hat ist, dass Chris... Ich will nicht sagen, dass er mittlerweile singen kann, das kann er nämlich nicht. Aber er klingt nicht mehr so sehr wie eine vergewaltigte Kuh.
Aber das nächste Album wird etwas anders.
Wann geht’s ins Studio?
Gute Frage. Wahrscheinlich im März. Wir werden ziemlich viel französischen Techno einbauen.
Warum macht ihr ausgerechnet Pirate Metal?
Weil es nichts mit Wikingern, Trollen, Herr der Ringe und so weiter zu tun hat. Und es macht Spaß, die Leute mögen es und Chris mag es auch.
Was ist denn der Unterschied zwischen Pagan Metal und Pirate Metal?
Ach, das ist alles das gleiche. Wir klingen genauso wie Korpiklaani, die klingen genauso wie Finntroll und die klingen genauso wie Turisas. Wir spielen alle die gleichen Melodien. Ich hab echt keine Ahnung, wo da ein Unterschied ist.
Du und Danny, ihr tragt auf der Bühne Kilts und du wickelst dir sogar eine schottische Flagge um. Außerdem habt ihr mit Flower Of Scotland eine der inoffiziellen schottischen Nationalhymnen auf dem Album. Ist es für euch besonders wichtig, schottisch zu zu sein?
Naja, es bedeutet, dass wir nicht englisch sind. Und wir lieben diesen Song. Eigentlich war er als Bonus-Track gedacht, aber irgendwie ist er dann doch auf dem Album gelandet. Deshalb klingt er auch ein wenig anders. Als wir im Studio fast fertig waren bekamen wir einen Anruf, dass noch ein Bonussong für Japan gebraucht würde und so haben wir schnell noch Flower of Scotland aufgenommen.
Aber der Song ist super, wir spielen ihn immer, wenn wir in Schottland auftreten, das ist nämlich der einzige Ort wo jeder, wirklich jeder, den Text kennt. Besonders toll ist das, wenn man als Vorband auftritt und es als letztes Lied spielt. Damit überschattet man in Schottland jeden.
Habt ihr vor, irgendwann mal Dudelsäcke zu einzusetzen?
(auf Deutsch:) "Dudelsack!" - Ich weiß nicht. Vielleicht auf dem nächsten Album. Beim letzten Album sind wir für den Akkustiksong in irgendein World Music Studio gefahren, wo wir ein paar komische Instrumente ausgesucht und spielen gelernt haben. Didgeridoo zum Beispiel.
Vielleicht machen wir das nächstes Mal wieder, aber ich will nichts versprechen. Wir wollen ja nicht, dass sich jemand beschwert. Und ein Dudelsack ist ja auch nicht das gleiche wie ein blödes percussion, bei dem man einfach draufhaut und es kommt ein Ton raus. Ein bisschen Übung braucht es da schon.
Aber ich hab keine Ahnung, ich will nicht mal ans nächste Album denken. Wir haben fünf Monate für die Aufnahmen, mehr Zeit bleibt bei unserem Tourplan nicht.
Ihr geht mit Grave Digger auf Tour...
Ja, das tun wir! Das wird toll, denn Grave Digger waren eine der wenigen Bands, mit denen wir verglichen werden, die wir tatsächlich mögen.
Welche Bands haben euch beeinflusst?
Mötley Crüe and Poison. Chris steht mehr auf Bal-Sagoth, Turisas und dieses ganze Folkzeugs. Ich höre gar keinen Folkmetal, das muss ich jetzt mal zugeben. Chris liebt diese Musik, aber ich stehe mehr auf thrashigen alten Hair Metal und viel anderes Zeug. Das ergibt eine bescheuerte Kombination, aus der seltsamerweise das hier wird. Was, wie man sich vorstellen kann, ziemlich verückt ist, ich habe keine Ahnung, wie das passieren konnte.
Welche Bands hast du hier auf dem Festival schon gesehen, oder willst du noch sehen?
Vielleicht zwei. Und ich glaube, das war`s. Ich schaue mir nichts mehr an. Wir haben fünfzehn Minuten von In Flames gesehen und meine Freundin wollte sich Apocalyptica anschauen, also sind wir da noch hin. Das war bisher alles. Ironischerweise war der letzte Gig, den ich vor dem Festival gesehen habe letztes Jahr hier. Ich gehe nicht mehr zu Konzerten. (lacht) Nein, ehrlich. Ich war schon ein bisschen schockiert als mir das aufgefallen ist.
Aber du magst das Festival trotzdem?
Ja, auf jeden Fall. Wir wären sowieso hergekommen. Letztes Jahr waren wir ja auch schon da, und haben direkt beschlossen, wiederzukommen und schonmal dämliche Anreisepläne geschmiedet. Dieses Mal ging es von Schottland über Finnland, Polen, Österreich und Italien hier her. Und das ganze mit dem Zug, es war schrecklich.
Wir sind hier wegen dem Festival, nicht wegen unserem Auftritt. Wir spielen hier, weil wir sowieso hier gewesen wären, wir sind nicht hier, weil wir spielen.
Hast du um drei Uhr morgens mit so vielen Leuten vor der Bühne gerechnet?
Nein. Ich habe noch Wetten abgeschlossen, ob ich selbst da sein würde. Drei Uhr morgens, das ist wirklich abartig. Ich wäre fast eingeschlafen. Vor dem Gig habe ich sogar tatsächlich geschlafen, bis mich jemand weckte und meinte, dass ich gleich auf die Bühne müsste. Ich hab wirklich niemanden erwartet. Dass so viele Leute da waren hat uns schon überrascht. Außerdem mussten wir dadurch gut spielen. Ich dachte ich könnte mich da hinstellen und einfach ein bisschen auf meiner Gitarre rumschrammeln, aber nein, ich musste tatsächlich arbeiten.
Ist Alex jetzt festes Bandmitglied, oder nur der Ersatzdrummer?
Ja, er gehört fest dazu. Unser letzter Drummer hatte 24 Stunden vor unserem Aufbruch zur Festivaltour beschlossen, dass er nicht mitwollte, also brauchten wir schnell einen Ersatz.
Alex hat unsere Musik zum ersten Mal gehört, als er zu einem Gig in die Schweiz geflogen ist. Er hat die CD am Flughafen gekauft, sie zweimal gehört und ein perfektes 45–minütiges Set mit uns gespielt. Tja, damit hatte er den Job.
Jedes Mal, wenn ich in Schottland war, habe ich höchstens mal ein paar Kinder in Slipknot-Shirts gesehen, ansonsten habe ich nie irgendwelche Metaler getroffen. Wie sieht die schottische Metalszene aus? Gibt es überhaupt eine?
Nein, da gibt es nichts. Wirklich gar nichts. Wir haben Grave Digger, aber die sind ja nicht mal schottisch. (Baut diesem Mann einen Schrein *HULD* - Teq)
Letzte Frage: Was trägt ein Schotte unterm Kilt?
Eine mit Panzertape angeklebte Banane. Ja, das habe ich auf die harte Art gelernt. Meine Eier tun immer noch weh. (Einen Schrein? Was rede ich? Eine Kathedrale...mindestens - Teq)
Vielen dank für das Interview.
Kein Problem, danke dir.


