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Imer noch voll im Saft

Interview mit Freddy von Necronomicon (03.02.2009)

Imer noch voll im Saft

Necronomicon zählen zu den Originalen der deutschen Thrashmetalszene und sind seit den Anfängen annudazumal dabei. Nun erschien ein neues Album der Süddeutschen und da konnte man ja mal wieder nachfragen, was es so zu erzählen gibt...

(Tequila)

Moin, euch gibt es ja schon länger als eine halbe Ewigkeit und dennoch dürftet ihr dem Gros unserer Leser noch relativ unbekannt sein. Die können dann aber das Interview des Jahres 2005 bei uns lesen, wo ihr ja schon einmal vorgestellt werdet. Also direkt in medias res: Was ist seit dem letzten Album so alles passiert?

Hallo auch, Freddy hier: Jaja, 25 Jahre sind in der Musikbranche ne verdammt lange Zeit, obwohl es mir gar nicht so vorkommt. Sehr wahrscheinlich, weil es bei NECRONOMICON irgendwie immer Problembewältigungen gibt *g* Und das hält ja bekanntlicherweise jung. Problembewältigung vor allem im Zwischenmenschlichen Bereich, um auch auf deine Frage zu kommen. Das „Construction of evil“ Album lief sensationell an. Und da übertreibe ich wirklich nicht. Mega geile Reviews, auch von der etwas softeren Fraktion, absolute Unterstützung von unseren Fans. Also alles, was man braucht, um voll loszulegen. Auch das Line up war endlich!!! gefunden. Dachten wir. Nach ein paar richtig geilen Shows in Deutschland und Europa hatten wir wieder unser „altes Problem“: Der Basser kriegt nen Vogel oder Höhenflug, wie auch immer und wir standen wieder ohne einen Mann an den dicken Saiten da. Zudem war die Unterstützung unseres Labels alles andere als positiv, was vor allem die Live-Geschichten anging. Das war für uns eine Grundvoraussetzung bei Vertragsabschluss, denn wir sind es unseren Fans verdammt noch mal schuldig, auch live Akzente zu setzen. Das geht aber nur mit Unterstützung vom Label. Und so geht die Zeit ins Land. Ich konzentrierte mich dann aufs neue Songmaterial und Axel und Andi suchten einen neuen Basser. Klingt irgendwie komisch, war aber leider so. Aber ich denlke die Zeit hat sich auch gelohnt, denn ich glaube total an die Band und das neue Album.

Was hat euch die Kraft gegeben, solange dem Metal treu zu bleiben und immer am Ball zu bleiben?

Der Spass an der Sache, der Musik und unsere leidensfähigen Fans. So leid mir das auch manchmal tut. Aber das wird sich jetzt ändern. Versprochen.

Euern Stil kann man mit der Vokabel Old-School Trash recht treffend umschreiben, ohne dass ihr aber in die Retroschiene verfallt. Auch wenn Trashmetal zur Zeit wieder angesagt ist, sind es aber doch eher die Neo/Modern Thrash oder eben die absoluten Retrokapellen, die die mediale Aufmerksamkeit erhaschen und so in den Fokus der Fans geraten. Gab es jemals Überlegungen, sich mehr in eine dieser Richtungen zu entwickeln?

Nein, überhaupt nicht. Ich weiss, das man mit Thrash momentan wieder nen schnellen Euro machen kann. Aber hätten wir dann so lange gewartet? Ich habe eines ganz klar dargelegt. Die neue Scheibe wird nicht verheizt von irgendeinem Label, dass nicht 100% hinter der Band steht. Lieber bring ich das Teil selber auf den Markt. Und wir haben ja jetzt die Bestätigung in den Reviews. Obwohl der Frühlingstau von uns abgetropft ist *g*, wir blasen die Jungen immer noch weg.

Beobachtet ihr überhaupt, was so in der (Thrash-)Metalszene abgeht oder habt ihr eure eigene Zeitblase und alles drum rum geht euch am Allerwertesten vorbei?

Besser hätte ich es nicht ausdrücken können. Ich möchte keine Klonband sein, die heute da den musikalischen Arsch wischt und morgen mit der ganzen Sache nichts mehr zu tun haben will und in ein neues Horn bläst. Wir sind NECRONOMICON und solange ich etwas zu sagen habe, bleibt das musikalisch auch so.

Da ihr ja nun schon lange dabei seid: War früher wirklich alles besser oder liegt das an der egozentrischen Wahrnehmung von so alten Säcken wie mir?

Das liegt an deinem guten Geschmack. Eine Flasche Whisky mit einem sensationellen Jahrgang wirst du immer mal aufmachen, um dir einen guten Schluck zu gönnen. Und der wird nicht schlecht oder langweilig.

Welche Rolle spielen eure Lyrics? Womit befasst ihr euch in textlicher Hinsicht und wie wichtig sind euch eure Texte?

Für die Lyrics ist vor allem Axel zuständig und Federführend. Das hat sicherlich auch mit unserer Vergangenheit als „Total Rejection“, unserer Punkband 1981 zu tun. Sozialkritische Themen, also alles, was uns so beschäftigt oder zumindest beschäftigen sollte, was so in unserer kranken Welt passiert

Ihr seid bei XTREEM-Music als Label gelandet, ein Label, das ich schon länger in der Versenkung wähnte und die früher eher mit extremen Deathmetal von sich Reden machten. Habe ich da eine verzerrte Wahrnehmung oder hat Labelboss Dave Rotten seinen Musikgeschmack geändert? Wie kamt ihr überhaupt an das Label?

Stimmt. Dave ist sehr Death orientiert und hat auch viele Bands in dieser Sparte. Aber genau das war für uns entscheidend. Denn Dave ist ein riesengroßer Fan von uns und wird sich voll dahinter klemmen, das sein Flagschiff voll Kurs hält. Und bis jetzt läuft das phänomenal an. Er steht voll hinter uns. Und wir hinter ihm.

Euer aktuelles Album habt ihr lt. Labelwaschzettel gleich zweimal aufgenommen, bzw. produziert. Einmal mit einer zeitgemäßen Produktion von Achim Köhler und dann noch mal in Eigenregie. Beide Versionen sollen zusammen als Doppelalbum erscheinen. Warum habt ihr dies getan? Das dürfte schließlich keine wirklich billige Aktion gewesen sein, oder?

Oh ja, wir haben alles komplett selbst finanziert. Und „billig“ war das sicherlich nicht. Wir knabbern noch heute daran. Aber ich bin so überzeugt von diesem Songmaterial, dass wir diesen Schritt wagten. Und ich habe es nicht bereut.Wir machen das nur aus einem Grund: Unsere Fans. Als ein ganz großes Dankeschön.

Hand aufs Herz: Was erhofft ihr heutzutage noch zu erreichen? Gibt es noch den Traum des Durchbruchs oder wird NECRONOMICON ein spaßiges Hobby bleiben?

Ich habe diesen Traum nie verloren. Trotz aller Nackenschläge. Aber irgendwann bekommst du das zurück. Ob im positiven oder negativen. Und jetzt sind wir dran.

Gibt es ein realistisches Ziel, das ihr noch erreichen möchtet? Und welches Ziel wäre euer Traum, wenn Realismus keine Rolle spielen würde?

Realistisch: ich will endlich d i e Anerkennung für diese Band, die sie auch verdient und diese Chance, die NECRONOMICON auch wirklich verdient hat. Vor allem live. Und das werden wir auch jetzt erreichen.
Ich bin kein Tagträumer, natürlich will jeder Musiker „groß“ rauskommen. Aber das Geld ist es nicht. Wir haben unser Hobby zum Beruf gemacht. Wir haben so viel Spass zusammen und verstehen uns blind. Das soll so bleiben. Der Erfolg, und das ist immer relativ zu betrachten, kommt dann automatisch.

Zu guter Letzt noch die Frage nach dem Line Up Wechsel: Jogi hat euch nach 25 Jahren aufgrund eines Tinnitus verlassen. Was ist das für ein Gefühl, wenn ein langjähriger Weggefährte von Bord geht?

Schmerzlich, für alle. Du kannst dir vorstellen, wir kennen uns über 30 Jahre, haben alles an Scheiße miterlebt, was man sich vorstellen kann; natürlich auch die tollen Zeiten. Und dann kommt dein Freund und sagt: Jungs, ich kann nicht mehr. Ich habe ein permanentes pfeifen im Ohr und das Tag und Nacht. Das tut weh.
Aber wir müssen nach vorne schauen. Und da haben wir in Andi einen nicht nur sensationellen Gitarristen, sondern auch einen ganz wertvollen Menschen, der mit uns von nun an durch die ganze Scheiße geht . Nein, Spaß beiseite. Er ist die Idealergänzung zu Jogi. Und das „Basserproblem“ ist auch gelöst, so dass wir nur noch nach vorne schauen.
Unser Lineup: Freddy-vocals/gitarre
Andi – gitarre
Axel – drums
Alex – bass
und Andi Nagel am Bass/Gitarre, der immer einspringt und mit uns die Akkustikshows macht. Dazu aber mehr im Frühjahr. Lasst euch überraschen….
Ich danke dir für das Interesse an NECRONOMICON und das Interview.
Beware of the beast !
Cheers
Freddy

Mir bleibt nur noch, mich für das Gespräch zu bedanken und euch viel Erfolg zu wünschen. Bleibt wie ihr seid und spielt noch viele Gigs!

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