Interviews
Noch mehr Neues von den Bergischen Löwen
Interview mit Ziu von Obscurity (07.06.2009)
Das neueste Album der Mannen von Obscurity hat bmich völlig von den Socken gehauen. Und da mich mit dieser Band seit einigen Jahren weit mehr als nur das Intresse an deren Musik verbindet, gibt es auch zum aktuellen Album ein ausführliches Interview!
(Tequila)
Hi Jungs, erstmal Gratulation zu eurem neuen Geniestreich, der auf den Namen Varar hört. Damit ist euch meiner Meinung nach euer bisher reifstes und vielschichtigstes Werk gelungen. Stehe ich mit dieser Meinung alleine dar oder habt ihr auch ansonsten gutes Feedback bekommen?
Ziu: Na, na... jetzt übertreib mal nicht, Kumpane, hehe. Vielen Dank für das Kompliment, wer Dich kennt, weiss wie selten sowas vorkommt. Es ist uns eine Ehre. Bisher sind wir äusserst zufrieden mit den Reaktionen der Presse auf unser neues Album. Scheint fast so, als ob „Várar“ sehr gefällig ist, haha! Es gibt zwar ein oder zwei verirrte Schafe, die diese Meinung nicht teilen, aber damit hatten wir noch nie Probleme. Wir aktzeptieren gegenteilige Meinungen ohne Murren und respektieren die „Täter“, hehe. Wir kümmern uns allerdings auch nicht besonders um Kritiken. Wir machen unsere Musik, weil wir Freude daran haben. Das kann uns kein Schreiberling vermiesen.
Seit unserem letzten Interview ist bei euch eine Menge passiert, wieso z.B. sind die 5 bergischen Löwen derer nur noch 4?
Ziu: Naja, eigentlich sind es 6 Löwen. Mittlerweile schwingen aber nur noch 4 davon ihre Äxte und Schwerter bei Obscurity. Nezrac verließ leider letztes Jahr die Band, aufgrund verschiedener Veränderungen in seinem Leben, die ihn davon abhalten im vollen Umfang für und mit Obscurity in die Schlachten zu ziehen. Ich möchte mir jetzt nicht anmassen weiter aus seinem Leben zu plaudern. Sowas machen wir nicht. Die Trennung ist zwar sehr betrüblich, aber dabei ist kein Blut geflossen. Keine Sorge, Nezrac ist immer noch ein Bruder für uns, genauso wie Dornaz, unser ehemaliger Gitarrist. Wir sind weiterhin befreundet und sehen uns natürlich auch.
Live wart ihr in meinen Augen schon immer eine echte Macht. Nun habt ihr (für mich) zum ersten Mal auch auf Konserve komplett überzeugen können. Was hat sich geändert bei euch, das ihr ein derart starkes Album veröffentlichen konntet?
Ziu: Hmmm, bis auf die Veränderung am Mikrofon hat sich eigentlich nichts bei uns verändert. Wir haben einfach wie immer weiter gemacht und dabei ist „Várar“ heraus gekommen.
Die neuen Songs sind etwas anders arrangiert. Im Vergleich zu den strophenlastigen „Schlachten & Legenden“ Songs, liegt bei „Várar“ das Augenmerk mehr auf den Refrains. Ehrlich gesagt, haben wir die Songs auch viel schneller geschrieben als in der Vergangenheit, es lief einfach perfekt, während des Songwritings. Alles hat gepasst und dadurch waren wir sehr motiviert.
Ich kann Dir keine klare Antwort auf diese Frage geben.
Mit „Battle Metal“ habt ihr eine Ode an den Metal verfasst, die wie ein Dampfhammer über den Hörer hereinbricht. Was hat euch bewogen, einen derartigen Text zu verfassen, der im Albumkontext rein lyrisch ein wenig fehl am Platz wirkt?
Ziu: Naja, eigentlich passt der Text schon zu den restlichen Songs. Schliesslich wird bei „Battle Metal“ ja auch „gekämpft“, hehe. Ich weiß was Du meinst, der Song ist tatsächlich eine Hommage an den Metal und seine Götter, in unserer musikalischen und lyrischen Ausdrucksweise. Das ist aber keineswegs untypisch für Obscurity. Sowas haben wir schon in ähnlicher Weise auf „Schlachten & Legenden“ versilbert. Dazu aber an anderer Stelle mehr.
Der Song entstandt in einer einzigen Probe. Wir waren selbst etwas überrascht, aber wussten sofort, der Song muss unbedingt auf die neue Scheibe. Dabei sind mir schon die ersten Ideen für den Text, durch den Kopf geschossen. Ich hatte den Refrain sofort im Kopf und wusste, daß ich hierbei noch einige Ideen verwirklichen konnte, die ich seit Jahren angesammelt habe, aber bisher noch nicht verwenden konnte. Wir fanden auch sofort einen englischen Text angemessen für dieses Lied.
Mein Lieblingstrack ist definitv „Varusschlacht“, wobei der Song einige Durchläufe benötigt hat, um sich in mein Gehirn reinzufräsen. Aber einmal dort angekommen, kann ich nicht anders, als bei den Zeilen „Niemals werden wir uns in Demut beugen, Ewig kämpfen wir für unsere Freiheit“ die Faust zu ballen und mitzugröhlen. Der Song ist eine gottverdammte Hymne vor dem Herrn. Nun ist die Varusschlacht eins der ganz großen Mysterien germanischer Geschichte. Bis heute weiß man nicht genau, wo diese statt gefunden hat und wie der Verlauf wirklich war. Wie tief geht euer Interesse für die germanische Geschichte? Dient sie euch als lockerer Hintergrund für eure Lyrics oder verschlingt ihr alles, was man darüber lesen kann und ist es für euch weit mehr als nur Recherche?
Ziu: Ja, die germanische bzw. gesamte nordische Geschichte ist sehr faszinierend und wir verschlingen so ziemlich alles, was wir darüber in die Finger bekommen. Allerdings sehen wir das Ganze nicht ausschliesslich so „romantisch“ wie manch anderer. Die Historie und Mythologie steht bei uns im Vordergrund. Wir machen uns da keine grossen Illusionen, dass damals alles so viel besser und die Freiheit noch „freier“ war. Wir haben dahingehend auch keine ideologische Ausrichtung. Alte Kulturen und Mythologien werden leider immer wieder für politische Zwecke missbraucht. Wir sind aber auch sehr an anderen Kulturen interessiert. Ich habe schon immer Geschichtsbücher über die verschiedensten Kulturen verschlungen. Geschichte ist eins unserer Hobbies und wenn man aufmerksam die Vergangenheit „studiert“ kann man durchaus diverse Entwicklungen erkennen, die sich wiederholen und zu den verschiedensten Ergebnissen führen können. Meiner Meinung nach sollten einige Politiker, vor ihrem Amtsantritt, ausgiebig in Geschichtskunde unterrichtet werden.
Die Varusschlacht jährt sich 2009 zum 2000sten mal und da war es für mich ganz klar, dass dieses Thema behandelt werden muss. Die Varusschlacht ist wirklich eins der faszinierendsten Ereignisse unserer Geschichte und brennt uns schon seit langem unter den Fingernägeln. Ich habe auch eine, naja, sagen wir persönliche Bindung zu diesem Ereignis, auch wenn es eher unbedeutend wirkt. Wer mich kennt, weiss was ich damit meine. Mehr möchte ich an dieser Stelle garnicht dazu sagen.
Obscurity definiert sich aber nicht ausschliesslich über einen historischen Hintergrund. Auf auch „Várar“ gibt „nur“ vier Songs, die sich explizit mit der nordischen Kultur befassen. Für weitere vier Songs gelten andere Themen, die zumeist kriegerisch ausgerichtet sind. „Wer Wind sät“ ist z.B. eine Mahnung an jene, die sich zur Elite berufen fühlen und sich über andere stellen, rein aus Egoismus usw. „Battle Metal“ ist ein reiner „Metal“ Song, hehe.
Liege ich komplett falsch, wenn ich den Song auch als Metapher für die Metalszene interpretiere? Den ewigen Kampf gegen das Establishment, der Kampf um Anderssein, sich nicht dem beugen, was die Obrigkeit vorschreibt? Oder bin ich einfach nur total verstrahlt und sehe Brothers of Metal, wo gar keine sind?
Ziu: Mmmmhhh, also eigentlich habe ich diesen Aspekt nicht bewusst mit in den Song gebracht, aber ich mag Deine Interpretation sehr. Wenn ich mir das recht überlege, finde ich diese Aussage auch sehr passend zu dem Song. Ich denke das kann man so stehen lassen. Dazu möchte ich aber noch anmerken, dass genau dieses Thema in dem Song „Die letzte Schlacht“ auf dem „Schlachten & Legenden“ Album behandelt wurde. Deine Aussage wurde darin exakt so von mir zu Papier gebracht. Zusätzlich ist der Song auch ein Statement von uns bzw. von Obscurity, sowie eine kleine Hommage an die Metalgötter. Mehr möchte ich dazu nicht erklären. Wer sich den Songtext durchliest wird genau erkennen, wofür Obscurity steht.
Kommen wir zum Titeltrack….Varar bezeichnet einen Treueschwur, der auch auf dem Cover versinnbildlicht wird. Jedoch ist mir dieser Begriff nie zuvor begegnet. Kannst Du mich und unsere Leser ein wenig mit Hintergrundwissen erleuchten?
Ziu: Várar steht für das altnordische Wort ´Schwur´. Das Wort wurde von Germanenstämmen meinst in Skandinavien benutzt, wenn diese sich zusammen schlossen und, um es mit einem verständlichen Wort auszudrücken, eine ´Interessengemeinschaft´ bildeten. Diese Gemeinschaften nannte man auch Waräger.
Weiter steht das Wort aber auch für den Eid, den die Germanenstämme sich schworen, um als Verbündete z.B. den wideren Umständen oder einer Bedrohung durch feindliche Stämme oder Völker zu trotzen.
Der Song „Schutt Und Asche“ klingt verdammt desillusioniert. Das Credo scheint mir, das der Kampf keinen Zweck hat, da es am Ende nur Verlierer gibt. Ihr selber bezeichnet euch aber immer als Krieger, die bereit sind in die Schlacht zu ziehen. Warum tut ihr euch das denn noch an, wenn es (lt. diesem Text) doch keinen Sinn hat?
Ziu: Tja, was soll ich dazu sagen!? Klar machen wir weiter, aber ich glaube es gibt bei jedem Krieger einmal den Moment, an dem ihm Zweifel kommen. Wenn ich mir einige Konflikte der jüngeren Geschichte vor Augen halte, dann kann ich mir sehr gut vorstellen, dass die Krieger, die diese Konflikte ausgetragen haben, solche Gedanken und Gefühle hatten. Mit „Schutt und Asche“ beschreiben wir die sehr dunkle Seite eines Kriegerlebens, ohne romantisches Pathos. Dieser Song steht bewusst im Kontext zu den übrigen. Jede Münze hat zwei Seiten und hierbei ist die Münze halt auf der anderen Seite gelandet. Es gibt Überzeugungen, die es wert sind dafür einzustehen und dafür zu kämpfen. Bleiben wir in der Metalszene und führen als Beispiel den Widerstand gegen die rechte Unterwanderung an. Andererseits gibt es aber auch Unmengen an fehlgeleiteten Ideologien.
Das größte Lob, das ich diesem Album aussprechen kann, sind die niemals bemühten oder gar peinlichen deutschen Lyrics. Jedoch fällt der Albumrausschmeißer da ein wenig…na ja…raus. Die Reime klingen in meinen Ohren schon bemüht und erinnern mich an Weihnachtsgedichte, die man in der Grundschule auswendig lernen musste. Ich vermute mal, da steckte eine besondere Idee hinter. Bist Du bereit, uns diese Idee zu erläutern?
Ziu: Hehe, klar bin ich dazu bereit. Eigentlich gibt es dazu nichts wirklich Besonderes zu vermelden. Es ist einfach eine Ausdrucksform, die ich für „Blut und Feuer“ passend fand. Man muss sich den Song als eine Ansprache eines Anführers an seine Krieger ist. Er macht seinen Kriegern Mut und schwört sie auf die Schlacht ein. Ich denke nicht, dass man da unbedingt auf lyrisch-tiefgreifende Weise vorgehen muss. Der Song an sich marschiert einfach nur und das spiegelt der Text auch wider. Einfach, prägnant und auf die Fresse!
Eine kleine Anekdote dazu ist, dass „Blut und Feuer“ ursprünglich einen englischen Text hatte. Nach einigen Überlegungen innerhalb der Band, habe ich dann diesen Text sinngemäß ins Deutsche umgewandelt. In deutscher Sprache passt der Text einfach besser zum Song, macht ihn noch aggressiver. Wäre der Text auf Englisch und von einer Band aus Skandinavien, gäbe es solche „Beschwerden“ nicht, hehe. Wer jetzt denkt ich hätte den Text einfach nur „wurstwassermässig“ übersetzt, der irrt sich! Ehrlich gesagt mag ich solche Reime, auch wenn sie hier und da etwas pathetisch oder holprig wirken. Sie passen zu uns und unserer Musik, gerade weil sie so ungeschliffen und geradeaus sind. Solche Ausdrucksformen werden nicht zwingend aus Unvermögen angewandt. Es ist durchaus Absicht und macht uns, meiner Meinung nach, nur umso authentischer und bewahrt unsere Ecken und Kanten auf lyrischer Ebene. Ich denke dafür sind wir aber auch bekannt.
Mit diesem Album stand mal wieder ein Labelwechsel an. Wieso habt ihr Massacre so schnell wieder verlassen? Was versprecht ihr euch von Trollzorn?
Ziu: Wir haben Massacre nicht wirklich verlassen. Wir hatten für „Schlachten & Legenden“ mehr oder weniger nur einen Vertriebsvertrag bei Massacre. Die Scheibe wurde von uns selbst finanziert und war fertig, bevor wir bei Massacre unterschrieben haben. Das gilt übrigens ebenso für unser „Thurisaz“ Album. Das weiß nur kaum einer. Andererseits habe ich kürzlich in einem Review gelesen, dass wir auch mit unserem ersten Album „Bergisch Land“ anscheinend bei irgendeinem Label gewesen sein sollen. Das wäre mir aber neu, hehe.
Wir hatten bei Massacre die Möglichkeit, ein Nachfolge Album aufzunehmen. Diese Option haben wir aber nicht wahrgenommen. Die Jungs haben zwar einen ordentlichen Job gemacht, aber nach einer Weile stellte sich heraus, dass wir da nicht wirklich rein passten.
Wir sind Metaller und machen unsere Musik, weil wir unseren Teil zum Metal besteuern wollen und dafür möchten wir, wenn überhaupt, auch die richtigen Partner an unserer Seite wissen. Diese Partner haben wir dann in den Jungs von Trollzorn gefunden. Die sind ebenfalls echte Metal Brothers und wollen die Szene mit ihrem Engagement beleben. Der Kontakt kam bei einem Festival zu Stande. Nach ein paar Wochen wollten die Jungs ein paar Shirts von uns bestellen und so standen wir dann in regelmässigen Kontakt. Tja, irgendwann kam halt eins zum anderen und wir trafen uns, wurden Kumpels, unterschrieben nen Vetrag und seitdem ist die Obscurity Truppe um zwei Brüder reicher.
Die beiden haben sich, bevor sie überhaupt neues Material von uns gehört haben, mächtig für uns ins Zeug gelegt. Bevor „Várar“ veröffentlicht wurde hat Trollzorn schon weit mehr für uns getan als alle anderen Labelheinis zusammen genommen. Für Ihr Vetrauen und ihre Freundschaft sind wir sehr dankbar. Bisher fühlen wir uns bei Trollzorn sehr wohl aufgehoben und es kann davon ausgegangen werden, dass wir noch einige Kriegszüge zusammen bestreiten werden, hehe.
Momentan wird ja alles gesigned, was fehlerfrei die Worte Odin, Edda und Pagan aussprechen kann. Pagantouren und Festivals wachsen schneller aus dem Boden als Kresse auf einem feuchten Stück Watte. Denkt ihr, das ihr von diesem Boom werdet profitieren können? Musikalisch seit ihr ja doch härter als der Durchschnitt, Humpa und ähnlichen Bockmist sucht man bei euch ebenso vergeblich. Bzw. wollt ihr überhaupt davon profitieren oder bleibt ihr lieber auf eurem Level und zieht euren Stiefel durch?
Ziu: Ach, wir haben noch nie von irgendeinem „Boom“ profitiert, da wir immer unser eigenes Ding gemacht haben und musikalisch nie wirklich einem Metal Genre zugeordnet werden konnten. Es mag sein, dass wir vielleicht einen größeren Bekanntheitsgrad erreicht haben oder noch werden, aber ich mag das lieber damit erklären, dass wir uns seit mittlerweile 12 Jahren den Arsch aufreißen und nicht durch irgendeinen Boom getragen werden. Wir werden uns jedenfalls auch weiterhin treu bleiben und keine Humpa Klamotten aus dem Sack zaubern.
Persönlich sehen wir die Entwicklungen durchaus zwiegespalten. Es freut uns natürlich, dass das Pagan Genre seit einigen Jahren so viel Oberwasser hat, aber es ist zu befürchten, dass wie bei den meisten anderen Genres auch, ein gewisser Ausverkauf stattfindet und die Leute sich bald anderweitig umschauen, wenn das Genre völlig ausgereizt ist. Wir halten immer alles in Massen und ich kann das auch nur, z.B. den Veranstaltern raten. So wird die Szene weitaus länger im heutigen Umfang bestehen bleiben.
Auch wenn Pagan inzwischen eine musikalische Bezeichnung ist (die euch eigentlich nicht gerecht wird), sehe ich euch als Paganband im lyrischen Sinne an. Würdest Du mir da zustimmen? Falls ja, was macht für dich eigentlich Pagan aus?
Ziu: Ja, da kann ich Dir durchaus zustimmen, obwohl nicht alle Texte einen „paganistischen“ bzw. heidnischen Hintergrund haben.
Hmmm, „Pagan“ zu definieren empfinde ich als nicht ganz so einfach, da es jedermanns persönliche Ansichten widerspiegeln kann. Für mich bedeutet es respektvolle Naturverbundenheit, gepaart mit heidnischen Elementen bzw. Weltanschauung. Das Meiste, dass man damit noch verbinden kann resultiert für mich allerdings schon aus meiner Definition von Heavy Metal, aber dazu später mehr.
Wie bewertet ihr die immer noch andauernden Versuche der rechten Idioten und Spinner, unsere Szene zu unterwandern?
Ziu: Solche verdammten Wichser wollen wir nicht im Metal haben!
Heavy Metal hatte schon immer eine autonome bis eindeutig linke Ausrichtung. Damit sind wir groß geworden und haben diesen Weg mit beschritten. Der Weg des Metal ging immer über die Rebellion. Wenn seit einigen Jahren irgendwelche elitären Einfaltspinsel meinen, sie müssten mit ihrem rechten Dreck eine Revolution auslösen, dann kann ich nur sagen, dass es an der Zeit ist, eine Konter-Revolution herbei zu führen. Faschistische Tendenzen sind für uns überhaupt nicht mit Heavy Metal in Einklang zu bringen.
Als Band behalten wir uns immer ausdrücklich vor, ein Konzert abzubrechen oder zu unterbrechen, wenn uns vor der Bühne oder im Umfeld eine faschistische Szenerie auffällt. Es wird dann erst weiter gespielt, wenn diese Elemente aus dem Saal entfernt wurden, im schlimmsten Fall wird halt komplett abgebrochen. Solche Szenen sind uns aber bisher noch nicht untergekommen, was zum einen daran liegen mag, dass die meisten Leute wohl kapiert haben, dass wir keine Freunde dieser politischen Ausrichtung sind. Wenn wir selbst Veranstalter sind, gibt es die Vorgabe etwaige rechtsgerichtete Sympathisanten erst gar nicht einzulassen. Das ist allerdings nicht ganz so einfach zu bewerkstelligen, da nicht jeder einschlägige Symbole offen zur Schau stellt. Man kann auch nicht ein Kutte mit unzähligen Aufnähern auf jeden einzelnen Patch untersuchen. Darüber hinaus ist auch nicht jeder mit einem Slayer Shirt, mit Totenkopf und Helm, gleich ein Nazi. Da ist schon Fingerspitzengefühl gefragt und wenn diese Vorgabe nicht greift, dann werden besagte Elemente nachträglich entfernt.
Kommen wir zu meinem persönlichen Steckenpferd: Der Begriff Heavy Metal und die zugehörige Szene. Was verbindest Du mit diesen beiden Begriffen?
Ziu: Junge, Junge... das ist echt ein Thema über das man stundelnag referieren kann und an dem sich auch schon diverse Leute halb totgequatscht haben. Ich werde jetzt mal meine Ansichten etwas kompakter präsentieren.
Für mich bedeutet Heavy Metal natürlich erst einmal die Musik an sich, inklusive der vielen Sub-Genres. Wenn man Metaller ist, sollte man schon hauptsächlich Metal hören, was aber keinesfalls Ausflüge in andere Musikgernes ausschließt. Der Umgang mit anderen Metallern steht auch sehr im Vordergrund für mich. Heavy Metal ist multikulturell und international. Das Größte für mich an Konzerten und Festivals ist, neben der Musik, die Begegnung mit anderen Metallern, besonders wenn diese aus einem anderen Kulturkreis stammen. Diese Begegnungen sind immer eine Bereicherung und der familiäre Zusammenhalt, der dabei innerhalb der Szene zu Tage tritt, ist ein unverzichtbarer Bestandteil des Heavy Metals. Wir sind alles Brüder und halten zusammen! Der Metaller an sich ist sehr weltoffen und treu gegenüber sich selbst, der Szene und der Musik. Als Metaller sollte man auch seine Freizeitaktivitäten in Metalschuppen, auf Konzerten und bei diversen anderen Möglichkeiten ausleben. Natürlich kann man auch mal woanders hingehen, z.B. zur Omma lecker Kaffee trinken oder so, hehe. Was das äußere Erscheinungsbild angeht, muss man sich schon irgendwie als Metaller „outen“, dabei ist nicht unbedingt ne lange Matte ein Muss. Ich kenne viele „Kurzhaar“ oder „Garkeinhaarmehr“ Metaller, in dessen Adern mehr Heavy Metal fließt als in manchen Typen, die mit ihren Matten, sich nach dem Kacken quasi den Hintern abwischen könnten. Koma – Saufen ist weit verbreitet, aber kein echter Kritikpunkt, denke ich.
So, das soll erstmal reichen... wer mehr erfahren will, der kann sich gerne die folgende Internetseite reinziehen. Da hat unser werter Herr Tequila eindrucksvoll den Homo Metallus beschrieben. Ich teile diese Beschreibung und bin sehr erfreut, dass Du damit auch meinen Ansichten, die manchmal schwer vermittelbar sind, in dieser Weise Ausdruck verliehen hast. Danke Teq, bist ein guter Jung´, hehe.
http://www.metalstorm.de/content/kolumne/kolumne.php?id=29
Ach ja, was um alles in der Welt bedeutet der Begriff „Berge Romerijke“
Ziu: Berge Romerijke ist Alt-Deutsch und bedeutet „Ruhmreiches Berg“, also „Ruhmreiches Bergisches Land“. Dieser Begriff wird in dem Song Worringen verwendet. Dieser Song behandelt die sehr blutige Schlacht von Worringen (1288), an der die Bergischen Truppen, mit dem Schlachtruf „Heya Berge Romerijke“ („Hoch, ruhmreiches Berg), siegreich und entscheidend teilgenommen haben.
Zum Abschluss noch mal zur Produktion eures Albums: Aufgenommen habt ihr mit Bony von den JaKas, gemischt und gemastert hat das Ganze aber Jacob Bredahl. Dies hat mich dann doch überrascht, habe ich Jacob doch immer in eine eher moderne Ecke gestellt. Wie seid ihr auf diese Kombination gekommen?
Ziu: Aufgenommen haben wir im Wuppertaler 4-CN Studio von Tim Schuldt. Er ist ein wirklich sympathischer Mensch und ein hervorragender Ton-Ingenieur, der uns schon bei unseren beiden letzten Alben, beim Mastern zu Seite stand. Er hat uns ein äusserst angenehmes Umfeld geboten, in dem wir aufnehmen konnten. Produziert wurde die Scheibe dann von Bony und uns. Jacob hat nicht nur in moderneren Ecken rumgekrost. Soweit ich weiss, hat er auch für Svartsot gemastert. Der Kontakt kam über Bony zustande, der bereits mit den JaKas mit ihm zusammen gearbeitet hat. Wir haben ihn einfach gefragt, ein paar unserer Lieder geschickt und er hat sich sofort bereit erklärt mit uns zusammen zu arbeiten. Da er ebenfalls sehr mit dem Ergebnis zufrieden ist, hat sich die Zusammenarbeit wirklich gelohnt. Wahrscheinlich wird es eine Fortsetzung geben, aber das lässt sich erst genau sagen, wenn es soweit ist.
Was liegt nun an? Geht ihr endlich auf die verdiente Welttournee, um auch am Sunset Strip eure frostigen Lieder darzubieten und massenweise Groupies abzuschleppen?
Ziu: HAHA, naja, einige Konzerte stehen schon an. Wir werden dieses Jahr einige Festivals bespielen und natürlich diverse Einzelgigs. Und besonders hervorzuheben wäre unser Release Gig im Rahmen des Battle Metal Fests II am 25.04.09 im Essener Turock. Es sind noch mehrere Konzerte in Planung. Eine wirklich ausgedehnte Tour können wir zu diesem Zeitpunkt leider nicht fahren.
Mal sehen was nächstes Jahr alles auf uns zu kommt. Lassen wir uns mal überraschen, hehe. Guckt einfach hin und wieder mal auf unseren Internetseiten vorbei. Da gibt es alle Neuigkeiten. Und davon in naher Zukunft noch eine Menge geben. Versprochen!
Komm, lass es raus….die letzten Worte an die Fans (bis zum nächsten, eigentlich schon garantierten Interview hier an dieser Stelle)
Ziu: Also ich möchte mich erstmal bei Dir für dieses wirklich intensive und angenehme Interview bedanken. Es hat mir viel Spass gemacht und ich hoffe den Lesern auch. Wir werden uns wohl des Öfteren sehen und hoffentlich noch einige andere Interviews führen können.
Viel mehr möchte ich gar nicht sagen. Die Leser schlafen doch bestimmt gleich schon ein.
Bleibt einfach sauber und Metal Forever!
Ziu


