Live-Reviews
Anathema in Bochum - Matrix (13.10.2008)
5 Jahre sind inzwischen seit dem letzten regulären ANATHEMA-Studioalbum „A Natural Disaster“ vergangen. Zwar kam kürzlich mit „Hindsight“ ein Lebenszeichen auf den Markt, dieses enthielt aber ja „nur“ alte Songs in neuem Gewand. Die lange Zeit ohne neue Scheibe dürfte eventuell eine Erklärung dafür sein, dass ANATHEMA inzwischen nicht einmal mehr die Bochumer Matrix voll bekommen. Gut 300 Leute dürften es gewesen sein, die zum Konzert gekommen waren und die Matrix zu ca. drei Vierteln füllten.
Demians
Als Vorgruppe hatten ANATHEMA diesmal die Franzosen von DEMIANS im Gepäck. Diese Newcomer hatten vor kurzem ihr Debüt „Building An Empire“ herausgebracht. Pünktlich um 20.00 Uhr betrat das Trio die Bühne und legte gleich ohne Umschweife los. Erstaunlich hart rockend ging es los, im Verlaufe des Gigs wurden die Songs insgesamt aber immer ruhiger, dafür ausufernder und epischer. Die goldene Mitte fanden sie meiner Meinung nach mit dem sehr geilen „This Perfect Symmetry“. Gegen Ende schien die Band sich in überlangen Songs wie „Sand“ etwas zu verlieren und es zog sich ein bißchen. Dennoch ein sehr respektabler Gig für so eine junge Band, von der wir mit Sicherheit noch so einiges hören werden.
(Thunderforce)

Anathema
Nach nicht enden wollender Umbaupause erschallten dann endlich die Introklänge („Parasienne Moonlight“) aus der Konserve und läuteten den ANATHEMA-Gig ein, der dann mit „Deep“ begann. Von Beginn an war der Bass-Sound um einiges zu laut, was man aus der Matrix ja kennt, Konzerte klingen hier gerne mal scheiße. Dieses Manko besserte sich zwar, dennoch war der Bass den gesamten Gig hindurch zu präsent. Im Ausgleich war die Gitarre von Vincent Cavanagh über weite Strecken zu leise. Besonders, wenn er sich die akustische umschnallte, war das, was er spielte, desöfteren nur zu erahnen. Doch genug des Gemeckers:
Denn trotz alledem war das wieder einmal klar das Konzert des Jahres. ANATHEMA sind live wie auf Platte seit Jahren eine Konstante. Die drei Cavanagh-Brüder Daniel, Vincent und Jamie sind inzwischen zu einer echten Einheit verschmolzen, die am Bühnenrand für Stimmung sorgt, während Les Smith (Keys) und John Douglas (Drums) im Hintergrund die Fäden ziehen. Basser Jamie Cavanagh wirkt zwar immer etwas schüchtern und zurückhaltend, sein Zwilling Vincent (Gitarre, Gesang) hingegen ist inzwischen zu einem echten Frontmann mutiert, der an den passenden Stellen wie ein Tier abgeht, schreit, lacht, leidet, sich freut und mit sympathischen und lustigen (Engländer halt.....) Ansagen glänzt. Gleiches kann man auch über Danny (Gitarre, Gesang) sagen, der wieder einmal sichtlich Spaß an dem Gig hatte.
Setlistmäßig traf die Band ebenfalls ins Schwarze. So gab es neben Standards wie „Empty“, „Angelica“ oder „Judgement“ auch einige Überraschungen, die ich bislang von ihnen noch nicht live gehört hatte, Songs wie „Far Away“, „Hope“, „Regret“ oder „Anyone Anywhere“ zwangen einen eigentlich durchgehend in die Knie. Zwei neue Songs gab es ebenfalls zu hören, die erwartungsgemäß natürlich einiges konnten.
Alle Alben seit „Eternity“ wurden mit mindestens einem Song gewürdigt, die meisten Songs stammten von „Alternative 4“ und „Judgement“. Die Band weiß offenbar, welches ihre besten Scheiben sind. Mit „Sleepless“ ging es dann einmal auch noch weiter in die Vergangenheit, wobei der raue Gesang des Originals inzwischen natürlich an Vincents Stimmlage angepasst wurde.
Anstatt einer Zugabe verließen ANATHEMA zu vier Fünfteln einfach die Bühne und ließen Danny eine akustische Version von „Are You There?“ spielen. Dann kam Vincent zurück und die beiden intonierten die wohl unfassbarste Version von „One Last Goodbye“, die mir jemals untergekommen ist. Danny am Keyboard, Vincent an der Gitarre und ein lautstark mitsingendes Publikum. Ein magischer Moment von über fünf Minuten Länge, zum heulen gut.
Das furiose „Fragile Dreams“ setzte dann den finalen Schlußpunkt unter dieses Konzert. Genau zwei Stunden herrschten ANATHEMA wieder einmal auf der vollen Linie und ließen keinen Zweifel daran, dass sie die einzige Band sind, die den Geist von PINK FLOYD am Leben erhalten kann, auch wenn es diesmal leider kein Cover der alten Helden gab.
Ganz herzlich für die Fotos bedanke ich mich noch bei Kingrandy von den Kollegen von Scarred For Life.
(Thunderforce)



