Live-Reviews

AC/DC Stadiontour Black Ice - Arena  (02.06.2009)

Die deutschen Hallen-Termine der „Black Ice“-Tour waren an den meisten Orten binnen Minuten ausverkauft. Drum freute sich die Gemeinde, als im Anschluss noch eine Stadion-Tour bekannt gegeben wurde. Da sollte es dann nicht Minuten, aber auch bloß wenige Stunden dauern, bevor die ersten Stadien ebenfalls „sold-out“ waren. Ruckzuck explodierten die Preise auf ebay. Aber wer da mitbot, hatte die Rechnung ohne eventim gemacht. Denen gelang es, immer wieder neue „Restkontingente“ anzubieten. Und wo die herkamen, wurde zumindest den Innenraum-Besuchern gestern schnell klar. Es war einfach schlicht zu voll und das allgemeine Gedränge schnell unerträglich. Nach Ende sollte es geschlagene 45 Minuten dauern, bevor man überhaupt den Inneraum, geschweige denn die Arena wieder verlassen konnte. Und das war nur eines der vielen Mankos des Abends. Aber der Reihe nach. Als ich mich der Arena näherte, schwante mir schon Böses. Natürlich ist es klar, dass AC/DC schon lange im Mainstream angekommen sind. Die Plattenverkäufe von „Black Ice“ belegen das eindeutig. Aber was dann da tatsächlich für ein Volk vor dem blau-weißen Tempel rumkroch, ließ einem die Galle hochsteigen. Disko-Tussen, die aussahen wie frisch aus dem Sonnenstudio gekommen. Herren und Damen in den allerschicksten Anzügen, vermutlich im dickem Dienstwagen vorgefahren. Ganze Familien, die das Konzert für den Sonntagsausflug genutzt haben. Mit langen Haaren und Kutte wurde man angeschaut, als käme man von einem anderen Planeten. Ein Bon Scott hätte sich im Grabe umgedreht. Salut, der Rock n' Roll ist tot.

The Claudia Cane Band

Nachdem Stunden im gefühlten Doom-Metal Tempo in mitten all dieser Idioten ausgestanden waren, man öfter angerempelt , auf die Füße getreten und mit Bier bespritzt wurde als bei Schalker Heimspielen in der Nordkurve, ging es los mit „Claudia Cane“. Genauso gut hätte aber auch nichts passieren können, denn die Band hat das Wort Belanglosigkeit wohl neu definiert. Vollkommen uninspirierter 08/15-Rock, der im Hintergrund vor sich hin plätscherte. Wofür man denn eigentlich überhaupt „Support-Acts“ bucht, wenn man während deren Auftritten die PA nicht mal zu einem Drittel hochfährt, bleibt rätselhaft. Entweder holt man sich einen guten Opener ins Boot, von dem man überzeugt ist und gewährt dem dann auch anständige Rahmenbedingunen oder lässt es gleich ganz bleiben. Da tut es dann nämlich auch Geträller aus der Konserve. Das Publikum ließ „Claudia Cane“ ebenso kalt wie mich und kaum war die Band von der Bühne verschwunden, hatte man auch schon wieder vergessen, dass da gerade ein Gig stattgefunden hatte.

(Odium)

The Answer

Mehr Reaktionen konnte die zweite Band des Abends, „The Answer“, für sich verbuchen. Ich würde gerne mehr schreiben, aber leider hinderte mich das Problem, was mir selbst während der Show des Headliners teilweise die Freunde nehmen sollte: der Aufbau der Bühne war eine schlichte Katastrophe. Dass man als kleiner Mensch im Innenraum damit leben muss, manchmal nicht allzu viel zu sehen, ist klar. Aber wenn es einem nicht einmal mehr möglich ist, das Konzert über die Video-Wände verfolgen, dann stimmt etwas nicht. Von dem bisschen, was ich von der Show wahrnehmen konnte, ließ sich erahnen, dass der Sänger recht agil war und die Band im Gegensatz „Claudia Cane“ schon eher ihre Funktion als Anheizer erfüllte.

(Odium)

AC/DC

Nach sensationell schneller Umbaupause enterte dann DER Headliner aller Headliner mit minimaler Verspätung die Bühne. Ein tolles Videointro brachte die Stimmung auf den Siedepunkt, bevor dann der „Rock N'Roll Train“ einfuhr und es kein Halten mehr gab. Leider auch nicht für sämtliche Honks, die einem im Vorfeld schon auf den Wecker gefallen waren. Ein dermaßen asoziales und rücksichtsloses Verhalten habe ich auf einem so großen Konzert selten erleben dürfen. Der Sound war irrsinnig laut, aber für ein Stadionkonzert doch einigermaßen annehmbar. Erwartungsgemäß keinerlei Überraschung bot die Setlist. Sie war im Vergleich zu den Hallenkonzerten lediglich um „Dog Eat Dog“ ergänzt worden. So wurde es das totale zweistündige Best-of Programm. Etwas mehr Mut zu lang nicht mehr gespielten Perlen des eigenen Backkataloges hätte ich mir schon gewünscht. Eine Spielzeit von zwei Stunden finde ich für Herren diesen Alters angemessen, auch wenn nichts in der Welt Ticket-Preise von über 80€ rechtfertigt. Wenn ich nicht gerade damit beschäftigt war, mein Gleichgewicht wiederzufinden, weil mir wieder jemand mit aller Kraft in den Rücken gesprungen war, so war das, was ich sehen und hören konnte, durchaus überzeugend.


Nach Betrachtung einiger Studiobilder von Angus war ich schon fest in der Annahme, er sei inzwischen zu einem bewegungslosen Greis gealtert, wurde aber eines Besseren belehrt. Vergleiche zu „den guten alten Zeiten“ sind für mich jungen Menschen leider nicht möglich. Aber wenn ich mich auf die diversen Videodokumente vergangener Großtaten stütze, dann bleibt festzuhalten, dass er immer noch nicht nur sehr fit, sondern der gleiche (positiv) Verrückte geblieben ist, dessen irrwitzige Einlagen ihn zu AC/DCs Kultfigur schlechthin erhoben haben. Ob der obligatorische Striptease oder ein endloses Gitarrensolo bei gleichzeitigen Verrenkungen, es blieben keine (Show-)Wünsche unerfüllt. Auch Brian Johnsons markante Stimme hat in all den Jahren keine deutlichen Verschleißerscheinungen davon getragen und er bewältigt es immer noch, bei „Hells Bells“ als Glöckner zu fungieren und ans Seil zu springen. Auch Phil Rudd ist noch die gleiche coole Sau und quarzt beim Trommeln eine nach der anderen. Malcom Young und Bassist Cliff Williams hielten sich im Hintergrund und auch das ist seit Anbeginn der Zeit ja Usus und gehört ebenso zu dem „Onstage-Gesamtbild“ der lebenden Legenden wie die Teufelshörmer bei „Highway to Hell“.


Selbige wurden in der Halle übrigens für 10 € verkauft (wie viel kosten die Dinger wohl in der Herstellung? 50 Cent?). Die Anzahl der rotblinkenden Lichter in der Halle hinterher sprach Bände. Aber auch der Absatz des restlichen Merchandises dürfte enorm gewesen sein. Aber wenn man nur mal ein Rock-Konzert in 10 Jahren besucht, kann man ja auch mal 35€ für ein T-Shirt bezahlen.

(Odium)


Fazit: Trotz eines mehr als starken Auftrittes des großen Headliners verbuche ich mein erstes Mal AC/DC nicht zu den ganz großen Konzerten, denen ich bisher beiwohnen durfte. Man mag darüber streiten, ob große Rock n' Roll-Konzerte heute Familien- und Spießer-Events sein dürfen. Meine Vision (und sicherlich auch nicht die des Mannes, der AC/ DC dahin gebracht hat, wo sie heute sind und viel zu früh verstarb) des Ganzen ist es nicht. Aber definitive Fuck offs in Richtung:


* aller Idioten, die ohne jegliche Rücksichtnahme auf Schwächere und Kleinere ihrem Konzertvergnügen nachgehen,

* den Planern in der Schalke-Arena
* eventim


Freut Euch auf ein Tequilas Site, in dem der Meister selber noch einmal mit dem Konzert und seinen Besuchern abrechnen wird.




Setlist AC/DC:


1. Rock N' Roll Train
2. Hell Ain't a Bad Place to Be
3. Back in Black
4. Big Jack
5. Dirty Deeds Done Dirt Cheap
6. Shot Down in Flames
7. Thunderstruck
8. Black Ice
9. The Jack
10. Hells Bells
11. Shoot to Thrill
12. War Machine
13. Dog Eat Dog
14. Anything Goes
15. You Shook Me All Night Long
16. T.N.T.
17. Whole Lotta Rosie
18. Let There Be Rock
19. Highway to Hell (Encore)
20. For Those About to Rock (We Salute You) (Encore)


(Odium)

Kommentare...

#3: 21.08.2009 - Jo (Maddin)

Auch mein erstes mal AC/DC. Ein Haken in der Lister der Dinge, die man erledigt haben muss bevor es zu ende geht - und mehr nicht.

#2: 02.06.2009 - Innenraum (Odium)

Ich weiß ja nicht, wo du gestanden hast. Aber wenn es eine Stunde dauert nach dem Konzert, bevor man den Innenraum überhaupt verlassen kann, dann stimmt was nicht. Ein Wunder, dass da nichts passiert ist...

#1: 02.06.2009 - AC/DC (Axel)

Der Innenraum war voll?? Keine Ahnung wie Du darauf kommst. Da war massenhaft Platz. Den Rest Deines Reviews unterschreibe ich gerne!!