Live-Reviews

Earth/Stebmo in Hamburg - Molotow  (06.04.2009)

Frühlingszeit, Osterzeit – da beginnt natürlich auch wieder die extrem-metallische Konzertsaison. Inwieweit extrem oder metallisch, darüber mag durchaus diskutiert werden. Schließlich zählen die Drone Doom-Vorreiter EARTH aus Olympia, Washington nicht mehr unbedingt mit zum obersten Härtegrad musikalischer Extreme, zumindest nicht nach ihrem (relativen) Stimmungswechsel auf dem 2005er Album „Hex“. Doch davon später: Zunächst soll gesagt sein, daß das Molotow in St. Pauli ein kleiner, aber feiner Club ist. Die gemütliche Kellerbar und der danebenliegende Konzertraum bieten den richtigen Platz für Shows in gediegener Cub-Atmosphäre. An diesem Abend hat sich das Publikum wohl auch in angemessener Zahl versammelt, ungeachtet der Konkurrenz durch das UNEARTHLY TRANCE/RAMESSES-Konzert im entfernten Marx.

Stebmo - Potpourri bunter Melodien

Bei STEBMO (Akronym für „Steve Moore“) handelt es sich um das Solo-Projekt des gleichnamigen Posaunisten/Organisten aus Seattle, bekannt unter anderem durch sein Schaffen mit EARTH und SUNNO))). Dieses Projekt betreibt er heute auf der Bühne zusammen mit EARTH-Bassist Don McGreevy am Schlagzeug, er selbst spielt dabei das Keyboard. Musikalisch wartet man mit loungig/ambienten Jazz auf, selbstverständlich rein instrumental. Ein Potpourri bunter Melodien sorgt für Kurzweil, wobei man ganz klar sagen muß, daß die Musik ganz sicher nicht jedermanns Sache zu sein scheint, denn der Saal lichtet sich ein wenig während der Darbietung. Für (unfreiwillige) Erheiterung im Publikum sowie das eine oder andere amüsierte Kopfschütteln sorgen dabei in den Sangespausen die lautstark vorgetragenen Monologe eines Gastes, der sich wohl im Verbindungsgang zwischen Lounge und Konzertraum aufhält. Steve Moore quittiert dies mit gelegentlichem sarkastischen Feixen und zockt weiter routiniert seinen Jazz. Die verbliebenen Zuschauer haben sich denn auch mit der musikalischen Einleitung des Abends hervorragend arrangiert und genießen Klänge, die etwa zwischen minimalistischeren AIR und fröhlicheren BOHREN UND DER CLUB OF GORE angesiedelt sind. Vielleicht sogar der heimliche Höhepunkt des Abends!

(Acheron)

Potpourri bunter Melodien

Earth - Earth sind Earth

Es mag lakonisch dahingesagt klingen, doch EARTH sind EARTH. Ob das Dreigestirn um Dylan Carlson (mittlerweile verstärkt durch Steve Moore) in einer Arena auftritt oder in einem kleinen Club sein Stelldichein gibt – man bekommt unterm Strich immer das Gleiche. Und das ist uneingeschränkte Qualität. Die Band beschränkt sich mittlerweile rein auf neues Material; sprich Songs der letzten beiden Studio-Alben, „Hibernaculum“ nicht mitgerechnet. Dadurch wird natürlich das ganze Set sehr ruhig. Statt des früheren feedback-lastigen Drone Dooms kommen nun die teilakustischen, Western/Blues-basierten Stücke zur Geltung. So spielt man zum Beispiel fast komplett alle Stücke von „The Bees Made Honey In The Lion’s Skull“. Steve Moores neuerliches Mitwirken an der Live-Performance quittiert Dylan Carlson in seiner gewohnt trocken-humorigen Art: „Das nächste Stück widme ich unserem Mitmusiker Steve Moore, es heißt passenderweise `Hung From The Moon.´“ Natürlich dürfte klar sein, daß auf der Bühne nicht sonderlich viel passiert. Wer EARTH kennt, der weiß, daß die träge, statische Musik der Band nicht zu einem hektischen Bewegungsablauf im Bühnenbild passen würde. Und das spiegelt sich auch in den gleichmütigen Mienen der Musiker und ihrem verträumten auf-und-ab-Wippen wieder. Blitzende Lichter und schnelle Bewegungen mag Dylan Carlson offenbar gar nicht gern, kündigt er doch gleich beim zweiten Song dem versammelten Publikum an: „Könntet Ihr bitte auf die Blitzlichter beim Fotografieren verzichten? Die könnten bei mir unter Umständen Schlaganfälle auslösen. Dazu passt dann auch der Song `Engine Of Ruin´“. In Anbetracht der tragikomischen Groteske solcher Situationen schwankt das Gefühlsspektrum beim Zuschauer zwischen Mitleid und Amüsement, möchte man doch dem Urgestein amerikanischer Extreme (der angeblich noch immer die „Todesflinte“ Kurt Cobains bei sich aufbewahrt) das Höchste an Zuneigung und Anerkennung zollen, hat der arme Mann sich doch um einige Ehren verdient gemacht.

Nach ungefähr sechs (oder waren es acht?) Stücken ist die Show dann auch zu Ende, nachdem unter frenetischen Forderungen des Publikums ein Zugabenteil mit (ich glaube) „The Dire And Ever Circling Wolves“ und „An Inquest Concerning Teeth“ eingeleitet wurde. Ja, abschließend verbleibt nur zu sagen, daß EARTH live eine einzigartige und ruhige Atmosphäre vermitteln und diesen Eindruck auch bei jeder Show wieder bestätigen. Dabei sollte jeder für sich selbst entscheiden, ob die Musik nicht vielleicht doch eindringlicher ist, wenn man sie zu Hause alleine auf Platte hört.

(Acheron)

Earth sind Earth

Kommentare...