Live-Reviews

Monumental - Hafenklang  (29.06.2009)

Die Trends kommen und gehen, was bleibt, ist Qualität. Hinter dieser vordergründigen und zunächst wenig tiefsinnigen Aussage liegt eine archaische Wahrheit verborgen, die in ihrer Konsequenz unumstößlicher nicht sein könnte: Jenseits aller Diskussionen um Genres, Trademarks und Authentizitätsansprüche birgt die Leere, der Minimalismus in der Ausdrucksform mehr Gehalt und Tiefe, als dies plakative Klischees je vermochten. Ob sich WOLVES IN THE THRONE ROOM zu einer musikalischen Urkraft aufschwingen mögen wie es vor Zeiten den titanengleichen THERGOTHON, SKEPTICISM oder DISEMBOWELMENT bestimmt war, ist nicht abzusehen. Doch nach drei Studio-Alben von gleichbleibend hochwertiger Qualität, einer interessant/mystischen Hintergrundgeschichte - sowie brilliantem Gespür für Kombinationen aus naturalistischer Bild- und Klangästhetik welches beinahe an einige der zuvorgenannten Finnen heranreichen mag – da ist es klar, daß Armeen von loyalen Kultisten und Verehrern nicht ausbleiben. Und von deren Wünschen, Drängen und Anregungen zeugt die Beliebtheit der Amerikaner aus Olympia/Washington während ihrer stetig wachsenden Festivalpräsenzen und Live-Auftritte! Das Hafenklang in Hamburg ist an diesem Abend dementsprechend ausverkauft, laut diverser Quellen haben sich etwa 240 Leute in dem kleinen Club versammelt, der nun auch brechend voll ist. Zur Lokalität selbst: Das Hafenklang ist ein kleiner, dunkler Laden, in dem offenbar hauptsächlich Punk-Konzerte stattfinden. Das Interieur ist sehr gemütlich, ein wenig räudig und eigentlich wie geschaffen für Sludge/Crust oder Stoner-Doom-Bands. Auf der kleinen Bühne ist die sehr übersichtliche Backline der Band bereits aufgebaut, umringt von über hundert Kerzen. Der Bühnenbereich ist durch Holzträger und Stützbalken ein wenig vom eigentlichen Kneipenbereich abgetrennt, was entfernt an eine Scheune erinnert. Amanderen Ende befindet sich der gut florierende Merchandise-Stand (an welchem der Autor selbst noch die eine oder andere Vinyl-Scheibe bzw. Shirt abgegrast hat).

Wolves In The Throneroom

Das Publikum ist überraschend dezent, weniger bauernmetallisch als erwartet und mit schicker, modischer Oberbekleidung angetan. Einzig negativ, doch zu verschmerzen ist das Sardinenbüchsengefühl, als die Show beginnt (und auch währenddessen). WITTR stehen als einzige auf dem Spielplan und fangen spät an, nämlich um 21 Uhr. Genauer gesagt, eine Viertelstunde später. Doch der geneigte Zuschauer kommt währenddessen in den Genuß von Kerzenlicht und den Klängen des Windspiels auf jenem „Zwischenintro“, welches die Überleitung der beiden ersten Stücke auf dem neuen Studio-Album bildet. Und von „Black Cascade“ stammt auch das erste Stück des Abends, „Ahrimanic Trance“. Anfangs lässt sich der Titel gar nicht wirklich bestimmen, so laut und blechern ist der Sound. Nach einiger Zeit kommt etwas Dynamik rein; Nathan Weavers Stimme sowie die Gitarrenmelodien lassen sich mittlerweile gut heraushören. Die Lautstärke bleibt jedoch während der ganzen Show etwas zu hoch. Während der Session-Bassist und Aaron Weaver an den Drums so etwas wie den Ruhepol der Band bilden, legen sich der etwas kleine Frontmann Nathan und Will Lindsay (bekannt aus MIDDIAN) auch körperlich voll ins Zeug! Der kahlköpfige, leptosome und über und über tätowierte Gitarrist „mosht“ und headbangt sich durch das Set, als spiele er mit CARPATHIAN FOREST oder AMEBIX auf. Überhaupt klingen die Wölfe live teilweise so verdammt rockig, daß man ihnen jederzeit Coverversionen von einer der zuvorgenannten Bands abnehmen würde. So muß extremer Metal klingen. Hier kommt jeder zum Zug, ob Sludge/Stoner-Doom, Crust- oder Blackmetal-Freund. Einmal wieder kommt zum Tragen, wie weit sich doch diese Kulturen im Verlauf der letzten Jahre aneinander angenähert haben. Mit „Vastness And Sorrow“ von „Two Hunters“ werden wieder vertrautere Klänge angeschlagen und WITTR bringen ihre epische Seite zum Ausdruck. Die Kommunikation mit dem Publikum und die des Publikums mit der Band erfolgt allerhöchstens nonverbal, und das ist gut so. Geschrei, Geklatsche oder „Moshattacken“ würden nicht im Mindesten zur Bedächtigkeit dieser introspektiven Musik und ihrer Protagonisten beitragen; das Publikum versteht das. Nach „Crystal Ammunition“, einem weiteren neuen Stück, verschwindet die Band von der Bühne, nur um direkt mit einem „Klassiker“ zurückzukehren: „Queen Of The Borrowed Light“ vom ersten Alben dürfte mit seinen noch unverkennbar norwegischen Einflüssen für viele Fans am zugänglichsten sein. Generell werden hier noch immer ULVER-, BURZUM-, DARKTHRONE- oder TAAKE-Parallelen aufgeworfen, die sich bis heute durch das Schaffen der Band ziehen. Ein wahres Epos, stimmlich und instrumental in den Urwäldern Nordamerikas verwurzelt, in welchen die Band offenbar ihr Zuhause hat. Nach etwa einer Stunde ist das Set leider schon wieder vorbei – oder auch zum Glück, denn wesentlich länger wäre die hochsommerliche Hitze und die stickige Luft in der kleinen Konzerthalle nicht zu ertragen gewesen. Was bleibt, sind die monumentalen Impressionen einer urtümlichen und zeitlosen Band, die hoffentlich noch lange Gast auf Festivals und in kleinen Clubs bleiben wird. Mal sehen, welchen Status die Zukunft für diese Musikmacher bereithalten wird. Rundum super!

(Acheron)

Kommentare...