Klassiker des Stahls
HELLOWEEN - The Best The Rest The Rare
Label/Vertrieb: Noise

Die Vorteile einer Website bzw. einer Datenbank, die nicht schon seit dem Sankt-Nimmerleins Tag online ist, sind sicherlich ...ehm... limitiert. Viele großen Scheiben haben bisher auf Metalstorm keinen Platz gefunden, obwohl sie weltbewegend, fantastisch, wegweisend usw. waren. Auf der anderen Seite bekommt man dadurch die Chance sie noch einmal neu zu beurteilen, auch in Hinsicht auf das, was aus der entsprechenden Kapelle wurde oder ob aus ihr überhaupt noch was wurde.. (Achtung, dies ist ein Stichwort... hrhrhr)
Und um mich gleich am Anfang in die Nesseln zu setzen, fange ich auf meiner lustigen kleinen Zeitreise mal mit einer Best Of an. Jaja, ich weiss: eine Best Of braucht kein Mensch. Entweder die Band kann was oder eben nicht. Wenn sie was kann, sind eh alle Alben Pflicht oder wenn nicht, braucht man auch keine Sammlung von selbsterwählten Klassikern.
Oder?
Es soll aber Leute da draußen geben, die nicht schon 1982 mit langer Matte und in viel zu engen Jeans durch die Kneipen gesprungen sind und noch ein paar Bands zu entdecken haben und dafür ist eine Best Of nicht die schlechteste Wahl! Also Klappe in der moppernden Altherrenecke!
HELLOWEEN dümpeln nun schon eine verdammt lange Weile durch Deutschlands Metalszene und nicht allzuviele lassen sich für die letzten Machwerke der Kapelle begeistern. Ob das nun daran liegt, dass so viele der alten Mitglieder mittlerweile zu anderen Bands abgewandert oder im schlimmsten Fall verstorben sind, oder weil man den Sprung ins neue Jahrtausend nicht gepackt hat, sei mal dahingestellt:
1991 kam mit „The Best, The Rest, The Rare!” jedenfalls eine Scheibe raus, die eine klasse Zusammenstellung der großen Jahre von HELLOWEEN beinhaltet. Wie jede Greatest Hits ist sie nicht annähernd vollständig, aber sie zeigt deutlich, was die Band mal wirklich auf dem Kasten hatte: mit dem heutzutage sicherlich etwas.... hm.... kuriosen Kiske am Mikro, Kai Hansen und Michael Weikath im ewigen Gitarrenduell, Markus Großkopf am Bass sowie Ingo Schwichtenberg (RIP) an der Schiessbude stand die Besetzung, die für mich bis heute und bei allem Respekt für die aktuellen Musiker bei HELLOWEEN, die einzig wahre ist.
Hymnen wie „Future World“, „Dr. Stein“ und „Judas“ müssen natürlich auf dieser Gute-Laune-Scheibe genauso vertreten sein wie der großartige Titeltrack zu den beiden gleichnamigen Alben „Keeper of the seven keys“. (Ja, ich weiss, es gibt noch eine dritte CD mit diesem Titel, aber die mag ich nicht einmal in einem Atemzug mit den Gott-CDs aus den 80ern erwähnen!!) Diese Nummern sind einfach WICHTIG! So wichtig, dass heute noch pickelige Jugendliche versuchen die Riffs und Solos nachzuklampfen, obwohl sie die große Zeit von HELLOWEEN nicht mal als Säugling miterlebt haben. Wie der Titel schon verspricht finden sich aber auch ein paar Songs, die bisher nicht auf den Studioalben veröffentlicht wurden wie die großartige Hüpfnummer „Livin ain’t no crime“ oder das blitzefixe „Savage“. Eine Schande sowas auf einer Maxi „verkommen“ zu lassen, aber es zeigt auch auf was für einem irren Niveau sich Helloween damals bewegt haben. Wenn selbst eine B-Seite eigenständiger und mitreißender ist als alles was andere Bands je zusammen gestümpert bekommen haben, dann spricht das in meinen Augen für sich.
Apropos Stümpern: Leider konnten HELLOWEEN nach dem Abgang von Michael Kiske in eine Welt ohne bösen, krankmachenden Heavy Metal und Kai Hansens Gründung der sicherlich sehr coolen GAMMA RAY nie wieder wirklich an ihre großen Zeiten anknüpfen. Man hat grundsolide Alben gebracht, ein paar wirklich coole Songs geschrieben und auch viel Mist abgeliefert. Mit der Veröffentlichung der „Keeper of the seven keys – legacy“ wollte man offenbar wieder Anschluß an die eigenen Erfolge in den glorreichen Achtzigern finden. Aber meine bescheidene Meinung ist, dass dies in der aktuellen Besetzung nicht mehr möglich sein wird. Man kann zwar aus vielen Dingen einen Hamburger basteln, aber der richtige entsteht halt nur mit den Originalzutaten, und nicht mit Tofufleisch, Feldsalat und Körnerbrötchen.
Punkte: 95
Isphanil / 22.11.2007


