Klassiker des Stahls
TYPE O NEGATIVE - Slow, deep and hart
Label/Vertrieb: Roadrunner

Über das Phänomen TYPE O NEGATIVE ist schon verdammt viel gesagt worden. Einiges hatte was damit zutun, dass Frontsau Pete Steele es im Publicity-Schlachtzug zu „Bloody Kisses“-Zeiten für eine gute Idee hielt, sich im Playgirl zu präsentieren und Horden von Gothicweibchen mit der Darstellung seiner Argumente zum Sabbern zu bringen. Dann wäre da noch die Diskussion um den Song „Der Untermensch“ vom Debutalbum gewesen, der gerade in Deutschland dazu führte, dass die Band der rechten Ecke zugeordnet wurde. Die sexuellen Phantasien und die hoffnungslose Suche nach der großen Liebe wurde intensiv beleuchtet genau wie der Psychopharmakakonsum der einzelnen Bandmitglieder.
Auf hochdeutsch: es ist sehr viel über das medienwirksame und tränenrührende Leben der Herren aus Brooklyn und die todtraurigen, verzweifelten Litaneien inklusive Einblick in das Steelsche Liebesleben gesagt worden, aber ziemlich wenig über die Mucke dahinter. Und noch weniger über das geniale Erstlingswerk „Slow deep and hart“, was mit den späteren Alben wenig zu vergleichen und zumindest für mich der Höhepunkt der Karriere von TYPE O war. (DAS muss deprimierend sein, gleich mit der ersten Scheibe den Volltreffer zu landen und dann geht’s nur noch abwärts....)
Viele halten TYPE O NEGATIVE für eine Gothic Band, für eine Drama Queen-Kapelle, deren CDs man nur mit einer Flasche Rotwein am Hals und von einer großen schwarzen Depriwolke umwabert hören kann. Es ist erstaunlich, dass noch niemand auf die Idee gekommen ist, die Platten im Bundle mit Taschentüchern zu verkaufen. Auch wenn diese Darstellung den neusten Veröffentlichungen nicht mehr ganz gerecht wird, scheint sich dieses Bild irgendwie festgesetzt zu haben. Umso erstaunlicher, wenn man überlegt, dass gerade die erste Scheibe noch einen ganz anderen Ton anschlug. Um es auf den Punkt zu bringen: es purzeln nicht gerade Glücksbärchis aus den Boxen, wenn man „Slow deep and hard“ in den Player legt, aber man braucht auch nicht gleich den Wischlappen bereitzuhalten, um den Tränenfluss einzudämmen.
Bodenständiger Hass und der Wunsch nach Rache bestimmen diese Scheibe und man hört stark wie in keiner späteren Veröffentlichung, dass TYPE Os Wurzeln eigentlich in der Hardcore-Ecke liegen. Dazu kommt ein Schippchen bitterböser, schwarzer Humor.
An den bissigen, sehr.... ehm... anschaulichen Lyrics hätte jeder Psychoanalytiker seine helle Freude. Und welches irre Hirn kommt eigentlich auf die Idee einen Song nach einer Formel zu benennen? (Man möge mir verzeihen, dass ich auf die genaue Bezeichnung verzichten muss, aber die Software hat Grenzen.....)
Musikalisch gesehen handelt es sich bei Songs wie „Unsuccessfully coping...“ sicherlich um keine Meisterleistungen. Es wird getreten und gehämmert, viel gebrüllt und ab und zu erschreckt man den Hörer mit irgendwelchen fiesen Synthiesounds, aber sämtliche Nummern dieser CD kommen dermaßen aggressiv und hassgeladen daher, dass sich einem die Nackenhaare aufrichten und man spätestens beim dritten Durchlauf lauthals „Kill you“ mitkreischt und damit alle verflossenen Partner zum Teufel jagt. Ja, auch auf dieser Platte geht es fast aussschließlich um das Drama „Armes Männchen wird von bösem Weibchen verlassen“. Aber es liegt eine andere Stimmung zugrunde: Reinschlagen statt rumheulen, dem anderen den Hals umdrehen statt sich selber die Kugel zu geben.
Eine bessere Scheibe zur Trennungsbewältigung kann es kaum geben. Übrigens enthält die CD „Origin of the feces“ fast genau dieselben Songs, live aufgenommen und zum Teil sogar in besserer Qualität als im Original. Allerdings sind die Tracks in diesem Fall anders betitelt und sind insofern nicht sofort zu erkennen.
Zum Schluß verschreibe ich noch allen unfreiwilligen Singles und gehörnten Deppen den Song „Xero Tolerance“ bzw. „Kill you tonight“ und wünsche vieeeeeeeel Spass!
(Und ein kleiner Hinweis in eigener Sache, damit es nicht wieder heisst unsereins sei gewaltverherrlichend und schuld an diversen Amokläufen: liebe Kinder, nur anhören und mitschreien! NICHT nachmachen!)
Punkte: 95
Isphanil / 23.11.2007


