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THE DEVIL`S BLOOD - The Time Of No Time Evermore

Label/Vertrieb: Vàn Records

The Time Of No Time Evermore

Ich muss zugeben, dass mir bislang noch kein Review so schwer gefallen ist wie dieses. Seit über 2 Wochen läuft "The Time Of No Time Evermore" nun täglich in meinem Player und seitdem formuliere ich im Kopf irgendwelche Sätze, die ich dann wieder verwerfe. Das Phänomen THE DEVIL'S BLOOD ist einfach sehr schwer in Worte zu fassen.
Die EP "Come, Reap" hat im letzten Jahr im Underground einige Wellen geschlagen und das lag nicht nur an den wohlwollenden Worten von DARKTHRONEs FENRIZ oder an der überschwänglichen Begeisterung der RockHard-Redaktion. Quer durch alle Spielarten des Metal zeigten sich Headbanger begeistert von den Holländern. Allein das ist schon bemerkenswert, ist doch das Schubladendenken in den letzten Jahren eher stärker den schwächer geworden und hat manchen talentierten Newcomer per Definition aus der Gunst der Hörer ausgeschlossen. Irgendwas scheint die Band um die Geschwister SELIM und FARIDA LEMOUCHI also sehr anders zu machen.
Manche haben den Erfolg auf die aktuelle Retrowelle in der Szene geschoben, aber das greift meiner Meinung nach zu kurz. Es ist zwar richtig, dass die Musik von THE DEVIL'S BLOOD stark in den 70er verwurzelt ist (und nicht im Black Metal, wie ihre philosophische Ausrichtung), aber im Gegensatz zu vielen anderen Kapellen klingt die Musik hier einfach nicht altbacken und gewollt auf retro getrimmt. Ganz im Gegenteil ist die Umsetzung stellenweise sogar ziemlich modern und wäre auch in den 70ern durchaus aufgefallen. Wobei modern vielleicht auch wieder das falsche Wort ist, da die Produktion sich völlig von den aktuell angesagten superfetten und sterilen Produktionen unterscheidet. Zeitlos trifft es wohl besser, auch wenn das ein großes Wort ist. Aber eben auch angebracht.
Hiermit nähert man sich dem Phänomen THE DEVIL'S BLOOD vielleicht insgesamt am besten an. Es sind keine herausragenden Megahits, die die Band schreibt. Aber ihre Musik klingt einfach von vorne bis hinten komplett natürlich und richtig, eben nach echter Musik und nicht nach konstruierter Konserve. Dieses Feeling lassen viele Bands seit Jahren vermissen und somit füllen die Holländer für viele eine Lücke, von der so manchem möglicherweise gar nicht bewusst war, dass sie existiert hat.
Das neue Album "The Time Of No Time Evermore" setzt auch folgerichtig genau da an, wo "Come, Reap" aufgehört hat. Und das im wahrsten Sinne des Wortes, denn das Intro "The Time Of No Time" greift die Akustikgitarre des Outros der EP auf und führt langsam zu "Evermore", dem ersten richtigen Song auf dem Album.
Schnell fällt auf, dass die Band ihren Sound weiterentwickelt und perfektioniert hat. Die Produktion ist wie bereits angeschnitten wunderbar "echt", transparent und angenehm. Kein Instrument wurde überbetont oder in den Vordergrund gebracht, alles bildet einen sehr stimmigen Rahmen um den Gesang von FARIDA, die sich zur EP nochmal deutlich gesteigert hat. Sie setzt ihre Stimme souverän und gekonnt ein und flechtet auch diese völlig nahtlos zwischen die anderen Instrumente. Während sie auf "Come, Reap" an der einen oder anderen Stelle noch mit der Tonhöhe kämpfen musste, sucht man solche Stellen auf dem Album vergebens. Auch hier kann man also eine deutliche Steigerung vermelden. Ansonsten ist "Evermore" eigentlich genau der Track, den ich mir von dem Album erwartet hatte und somit ein völlig stimmiger Opener.
Track Nummer 3 bietet eher eine Überraschung. "I'll Be Your Ghost" ist eine luftiger, gutgelaunte Rocknummer, die in der Form wohl niemand von der Band erwartet hätte. Aufs erste Hören ist das Stück vielleicht ein bisschen flach, aber der Chorus hat sich sehr hartnäckig in meinem Kopf festgesetzt und auch wenn es der ungewöhnlichste Track ist, so ist es doch immer der erste, der mir bei diesem Album in den Sinn kommt. Schön auch der Kontrast zwischen Musik und Text, denn es geht hier nicht um ein Liebeslied, sondern darum, sich bereitwillig für Satan in Schmerz und Tod hinzugeben. Zumindest in der Hinsicht ist der Song dann also doch keine Ausnahme.
Der Text setzt sich in "The Yonder Beckons" fort, in dem der Aufstieg in die andere Welt, den forbidden shores erfolgt. Musikalisch eine sehr stimmungsvolle, getragene Nummer mit wunderschönen Gitarrenläufen und einem prägnanten Akustikriff. Großartiger Song.
Mit "House Of The 10000 Voices" nehmen THE DEVIL'S BLOOD noch mehr Tempo raus und bieten einen sehr sphärischen Song, der sehr stark von FARIDAs eindringlichem Gesang und den ziemlich psychodelischen Gitarren lebt.
"Christ Or Cocaine" präsentiert sich als grooviger Rocker, der erst recht simpel wirkt, aber einen sehr hohen Mittwippfaktor hat und auch mit einigen mehr als ordentlichen Soli glänzen kann. Textlich eines der spannendsten Stücke auf dem Album. Allein " Do you think you're a sinner or a saint? Do you even think you could see? Or would you rather step into my Church and go to Hell with me?" zeigt doch deutlich mehr als platte Satanismus-Attitüde.
Darauf folgt das Stück auf dem Album, mit dem ich mich am schwersten tue. "Queen Of My Burning Heart" lässt für mich die gelungene Mischung aus alt und neu etwas vermissen. Hier klingt mir die Band in den Strophen tatsächlich ein wenig zu bemüht altbacken, auch wenn der Song im Grunde nicht schlecht ist und der Refrain dazu angetan ist, mich doch wieder mit der Nummer zu versöhnen.
Der Ausgleich auf diesen leichten Durchhänger kommt dann auch prompt der Höhepunkt des Albums in den beiden folgenden Stücken. "Angel's Prayer" verbreitet eine unglaubliche Stimmung. Doppelläufige Gitarren, wunderbare Harmonieführung und traumhaft schöner mehrstimmiger Gesang. Spätestens hier bin ich dann wirklich endgültig hin und weg.
Sehr gegensätzlich aber nicht weniger gelungen folgt darauf "Feeding The Fire With Tears And Blood" - Psycheledic Rock, der stellenweise leicht an ROKY ERICKSSON erinnert und eine ziemlich hypnotische Wirkung entfaltet. Stark.
"Rake Your Nails Across The Firmament" kann als eher simpler Rocker dieses Niveau zwar nicht halten, bietet aber trotzdem eine gute Überleitung zum letzten Stück des Albums, "The Anti-Kosmick Magic", bei dem SELIM LEMOUCHI sich noch mal so richtig austobt. Die Gitarrenarbeit ist auf dem ganz Album herausragend, aber hier wird noch mal eine Schippe draufgelegt. Gedoppelte Läufe zum Einstieg und eine ausgedehnte Soloorgie zum Schluss bieten noch mal einen Höhepunkt, der einen am Ende direkt wieder zur Playtaste greifen lässt, um diesen ganzen Trip nochmal zu durchleben.
Eines muss hier noch erwähnt sein. Bei aller Klasse der Songs funktionieren sie vor allem im Kontext des Albums. Kein einzelner ragt für sich so heraus, dass ein Anspielen sofort einen Kritiker der Band verstummen lassen würde. Aber als Gesamtwerk ist die Scheibe einfach hochklassig. Trotz böser (aber alles andere als tumber oder aufgesetzter) Texte verbreitet sie bei mir auch ausgesprochen gute Laune und macht einfach sehr viel Spaß. Es gibt nicht viele Alben, bei denen ich das Gefühl habe, ein richtig großes Stück Musik vor mir zu haben. Aber das hier ist eins, da bin ich mir sehr sicher.

Punkte: 95

NegatroN / 02.09.2009


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