Reviews
THEATRE OF TRAGEDY - Forever Is The World
Label/Vertrieb: AFM-Records

THEATRE OF TRAGEDY..... Ich wusste ehrlich gesagt nicht, dass es die überhaupt noch gibt. Nach dem Album „Aégis“ habe ich das Schaffen der Band irgendwie nicht mehr verfolgt, und das ist inzwischen schon über 10 Jahre her.
Naja, aber man kann sich ja schlau machen. „Forever Is The World“ ist nun jedenfalls die zweite CD ohne Sängerin Liv Kristine, die seit dem Vorgänger „Storm“ durch Nell Sigland ersetzt wurde.
Nachdem man mit den Alben seit „Aégis“ sich wohl zunehmend vom Metal abwandte und immer elektronischer wurde, stellte das letzte Werk „Storm“ anscheinend eine Art Rückbesinnung (zumindest in Teilen) zum Gothic Metal der Anfangstage dar. Aha, okay.
Nun rotiert also „Forever Is The World“, Album Nummer 7 von THEATRE OF TRAGEDY in meiner Anlage.
Eine Sache ist immerhin noch beim alten: Neben irgendeinem 0-8-15 Tribal-Geschmiere lassen sich auch weiterhin Rosen auf dem Cover finden. Schön! Wie früher!
Was die Musik auf „Forever Is The World“ angeht, so würde ich sagen, dass THEATRE OF TRAGEDY hier anscheinend versuchen, ihre gesamte Karriere abzudecken. Geht es mit „Hide And Seek“ noch recht metallisch-rockend los, so sind Songs wie „Transition“ sehr viel nachdenklicher, ruhiger und poppiger.
Im Gegensatz zu früher steht die weibliche Stimme deutlicher im Vordergrund. Sänger Raymond ist nur in etwa jedem zweiten Song vertreten und wenn, dann gibt es auch nicht immer Grunzgesang zu hören. Ansonsten versucht er sich ab und an auch mal in recht eigenwilligem, da völlig ausdruckslosem und meiner Meinung nach langweiligem Sprechgesang. Das war teilweise schon auf „Aégis“ der Fall. Raymond ist aber wie gesagt längst nicht in jedem Song dabei und manchmal grunzt er ja auch.
Sängerin Nell Sigland hingegen stellt ihre Vorgängerin nach meinem Dafürhalten doch recht deutlich in den Schatten. Von der Stimmlage zwar recht ähnlich, so klingt die Stimme der „Neuen“ aber doch weniger dünn und dafür ausdrucksstärker als die von Liv Kristine. Von Weltformat ist aber auch sie schon noch ein Stück entfernt.
„Forever Is The World“ hat keinen wirklichen Hit oder herausragende Einzelsongs zu bieten, sondern funktioniert eher als Album im Gesamtkontext. THEATRE OF TRAGEDY können die Stimmung über die gesamte Spielzeit halten, agieren dabei aber wenig mitreißend sondern eher zurückhaltend. Das Album eignet sich darum wohl eher zum entspannten Nebenbeihören, als sich wirklich intensiv damit auseinanderzusetzten. Schlecht ist das beileibe nicht, aber eben auch nicht richtig gut. Bei einigen Songs wie dem guten „Frozen“ geht das Rezept auf, bei anderen Songs wird es manchmal aber auch ein wenig fad. Das Tempo ist die meiste Zeit recht getragen, was der bereits angesprochenen Wirkung des Albums als Gesamtwerk zugute kommt.
Insgesamt ein ganz hübsches Album, das ich insgesamt mal in die Schublade „Gothic Rock“ packen würde. Für reinen Gothic gibt es noch zu viele Gitarren, und um als Metal durchzugehen fehlt einfach der Wums. Fans, die die Band früher mochten und sich dann aufgrund der Elektro-Ausrichtung von THEATRE OF TRAGEDY abgewandt haben, können jedenfalls mal wieder ein Ohr riskieren.
Punkte: 74
Thunderforce / 09.11.2009


